Lode & Stijn © Katja Oortman
Bild: Katja Oortman

Restaurant - Lode & Stijn

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Wenn sie eine Popgruppe wären, würden sie den aktuellen Hit am Ende des Auftritts spielen. Aber bereits das Brot ist hitverdächtig: Mit seinem frischen Sauerteigton und vor allem wegen seiner Kruste. Gereicht wird es als Vorspiel ...

Wenn sie eine Band wären oder Komponisten, dann hätte ihre Musik vermutlich Ähnlichkeiten aufzuweisen mit Coldplay oder dem Klavierwerk von Philip Glass. Auch auf diesem Gebiet würde die Beherrschung der Instrumente stimmen, die Kompositionen besäßen bestimmt Wohllaut und führten nicht allzu sehr in die Tiefe, gleichwohl an sie erinnernd.

Lode & Stijn © Katja Oortman

Hitverdächtig

Wenn sie eine Popgruppe wären, würden sie den aktuellen Hit am Ende des Auftritts spielen. Dies ist – die verschiedenen Genres einmal beiseitegelassen – der größte Unterschied zur Lode & Stijn-"Band". Bereits das Brot, eine Art dunkel gefärbtes, großporiges Weißbrot mit seinem frischen Sauerteigton und vor allem wegen einer Kruste, die nur so strotzt vor diversen Röstnoten von Malz bis Asche, ist bereits hitverdächtig. Die dazu gereichten Miniaturen als Vorspiel zu den abendlichen fünf Gängen (58 Euro; ohne à la carte) sind bis auf die sautierten Pfifferlinge, bei denen ein typisches Pfannenaroma und natürliche Gemüsesüße bruchlos ineinander übergehen, im Grunde Hintergrundmusik, wobei die immerhin achtbare Rinderkrokette die Herkunft der beiden Macher verrät: die Niederlande, deren Hang zur Mayonnaise hier auch nicht zu kurz kommt.

Pikant, würzig, herzhaft

In die kulinarischen Charts gehört dann unbedingt das Rindertartar auf getoastetem Sauerteigtoast. Gekauft bei einem der besten Bio-Metzger Berlin, Kumpel und Keule in der Kreuzberger Markthalle 9, und vom sogenannten falschen Filet stammend (das gewöhnlich dem Gulasch sein Gepräge gibt), ermöglicht das geschmeidige, nur ganz vorsichtig aromatisierte Fleisch originären Rindsgeschmack – gut geeignet, um wieder einmal die Reflexe zu überprüfen, bevor der Winter kommt.

Als Kontrapunkt wird eine üppige Schüssel mit Romana-Salat gereicht. Das vom Caesar’s Salad abgeleitete, leicht süße Sahnedressing (oder war es doch Kondensmilch? Hier wäre sie am richtigen Platz) korrespondiert mit sehr fein gehobeltem, cremigem Gouda. Auf der Zunge dämpft sein rezenter Schmelz die spitze Frische des Dressings – und vervollkommnet das frugale Gericht.

Mild

Danach kommen noch vier Gänge, die zwar kein Abgesang sind – das beileibe nicht –, jedoch die Höhe des ersten nicht mehr erreichen. Schafsjoghurt mit Rauke, frischen grünen Saubohnen und Mandelstückchen in einer Zuckerschoten-Vinaigrette stellt in seiner willkürlichen Zusammenstellung eine Art Müsli auf Abwegen dar, die flutschige Scholle unter hauchdünnen Zucchinischeiben in recht zurückhaltender geschäumter Krustentier-Nage ist so mild, dass man sie fast schon während des Essens vergisst – wären da nicht die beiden Blumenkohlblüten.

Modern, aber hart

Die dottergelben Kelche und die dillgrünen Stile schmecken tatsächlich schon deutlich nach Blumenkohl, unterstrichen von einem herbalen Akkord. Hühnerbrustscheiben und sozusagen pulled Schenkel in einem wenig ambitionierten Jus leiden unter viel zu bitterem Sellerieblatt, das auch optisch der einzige Paukenschlag bleibt. Gute Ansätze und fachkundige Zubereitung reichen noch nicht für ein Album. Der modern eingerichtete, lichte Raum mit Wohnzimmerfenstern zur Straße strahlt Freundlichkeit aus und lädt zum Verweilen. Aber die Härte des Gestühls scheint etwas dagegen zu haben.

Thomas Platt, kulturradio  

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