Osteria Venexiana; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Geschmackssache - "Osteria Venexiana"

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Fisch aus der Lagune, Fleisch und Gemüse aus dem Hinterland sind die traditionellen Zutaten der Küche Venedigs. Das kleine, hübsche Restaurant in Schöneberg bietet neben überregionalen Gerichten schmackhafte Klassiker der venezianischen Küche an.

Schon beim Betreten des Lokals fällt der Blick auf das Wort "Cicheti", das auf einem großen Schild zu lesen ist: So nennt man in Venedig die kleinen Snacks, die zum Aperitif gereicht werden, damit der Wein nicht auf einen nüchternen Magen trifft. Hier sind es Crostini, also kleine Bruschette, belegt mit Stockfischcreme, Fleischpasteten und anderen Köstlichkeiten.  Bestellt man sie nicht, kommt ohnehin als Gruß aus der Küche ein Cicheto mit Fischcreme und einem Tupfer Basilikumpesto auf den Tisch: ein zarter, köstlicher Vorbote für das, was noch folgen wird. Der Pulpo mit Kichererbsenpurée auf einem Bett von knackigem, schmackhaftem Gemüse ist ebenso zart und aromatisch. Das ansprechende Gericht mutet nicht unbedingt traditionell an, aber Fisch- und Meeresfrüchte sind von der Küche Venedigs nicht wegzudenken. So erklärt sich, warum auf der Karte so viele Fischgerichte stehen, auch welche, die es nicht nur in Venedig gibt, so wie Dorade-Carpaccio, schwarze Tagliatelle mit Fischragout oder Tagliolini mit Venusmuscheln.

Früher Armenküche, heute Delikatesse

Andere Gerichte sind überregional, wie der norditalienische Vitello Tonnato (Kalb mit Thunfischsauce, und nicht ‘Tornato‘, ‘zurückgekehrt‘, wie neulich auf der Speisekarte eines deutschen Restaurants zu lesen war!), die herbstlichen Ravioli mit Steinpilzfüllung oder der süditalienische Auberginenauflauf  “Parmigiana di Melanzane“.  Unentschlossen zwischen den venezianischen Klassikern “Sarde in Saor“, frittierte Sardinen, die süss-säuerlich eingelegt werden - früher, um sie länger auf dem Schiff zu konservieren-   und dem “Fegato alla Veneziana“, Kalbsleber mit Zwiebelragout und Polenta, entscheide ich mich für “Bigoli“, dicke handgemachte Spaghetti mit Anchovis-Zwiebelsauce. Bigoli sind ein einfaches, aber immer noch beliebtes Gericht der armen Küche von früher; für Leute, die sich frischen Fisch nicht leisten konnten. Die Nudeln werden frisch gemacht und am besten direkt gegart, ohne, dass sie lange an der Luft trocknen, sonst werden sie innen sehr hart. So waren sie auch hier, nicht nur al dente, sondern etwas zu hart; dafür hat die Sauce traumhaft geschmeckt. Auch der Tiramisù, ein Dessert, das man meistens als fettig und schwer erwartet, war frisch und schaumig leicht, mit frischen Beeren angereichert, die kurioserweise perfekt zum Espressogeschmack passten.

Professionalität ohne Szene-Getue

Die Gerichte sind ausgeglichen, weder rustikal schwer, noch zu ambitioniert modern, mit Portionen, die zwar nicht riesig sind, aber dennoch sättigend, zu angemessenen Preisen. Die Weine sind etwas teuer, dafür handelt es sich wenigstens um besondere Weine aus kleinen, aber sehr renommierten Weingütern, wie Ferlaz in Friaul: Der kupferfarbene, aromatische Pinot Grigio, bei dem die Schalen länger mitvergoren werden, ist ein Muss. Das Ambiente ist angenehm - ein kleiner Raum, schön eingerichtet, aber nicht überfrachtet-, und der Service perfekt, dank einer jungen Kellnerin, die zwar informell wirkt, aber in Unterschied  zu den anglophonen Studenten, die mittlerweile in den meisten Berliner Restaurants bedienen, ihren Job sehr gut macht.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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