La Lucha; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Geschmackssache - "La Lucha"

Bewertung:

Mais, Bohnen, Reis, Chili und jede Menge Soße: mexikanisches Essen gilt meist als deftig und rustikal. Das Kreuzberger Szenelokal nimmt sich vor, diese traditionsreiche Küche modern und großstädtisch zu interpretieren. Das Ergebnis ist aber wenig überzeugend.

Der Name "La Lucha", der Kampf, mutet für ein Restaurant etwas ungewöhnlich an. Auf der Internetseite erfährt man aber, was mit dem Begriff gemeint ist. Es geht um die Antriebskraft, die man braucht, um das eigene Ziel zu verwirklichen, in diesem Fall der Wunsch, die mexikanische Küche als authentisches Erlebnis zu vermitteln.

Besucher kämen aber eher auf die Idee, damit sei der Kampf um einen Tisch gemeint, da man wochenlang vorher reservieren muss! Das Restaurant ist seit der Eröffnung Ende April immer sehr gut besucht, möglicherweise auch deswegen, weil viele Medien schon im Vorfeld über dieses Lokal und sein innovatives Konzept, der "Modern Mexican Cuisine", berichtet haben.

Gute Absichten, unsicherer Geschmack

Zur Auswahl stehen vor allem kleine Gerichte, nur wenige sind so groß portioniert wie ein Hauptgericht. Die typischen Zutaten der mexikanischen Küche – Mais, Bohnen, Chilis, Avocado, Käse, Kakao, Fleisch, teilweise auch Fisch – werden ungewöhnlich kombiniert. Die Minigerichte sind in der Art der gehobenen Küche komponiert.

Burritos zum Beispiel werden mit Broccoli und Süßkartoffel gefüllt, dann in Scheiben geschnitten und mit einem Kringel Koriandersauce serviert: vier Röllchen, hübsch nebeneinander angerichtet, ähnlich wie Sushi. Oder Bohnenmousse auf einer Maistortilla aus blauem Mais angerichtet, dazu eine halbe Feige mit geräucherter Ricotta und geschmolzenem Gouda.

Verkaterter Käse

Einige dieser Kombinationen waren zwar interessant, aber richtig gut hat kaum eine geschmeckt. Die Tamal de Birria, eine Art Mais-Lammfleisch-Pastete im Maisblatt gedämpft, war weder optisch noch geschmacklich ansprechend. Die Enmoladas, als große Portion serviert, war schwer und nach zwei Bissen nicht mehr zu verkraften: Die mit Hühnchen gefüllten Tortillas schwammen regelrecht im Mole, einer dicken Sauce aus Chili und Kakao, die auch noch mit Sahne angereichert war.

Wir dachten, das Dessert würde alles retten, aber beim Flan de Queso mit Passionsfrucht schmeckte der Käse wie sauer gewordene Milch. So sei aber der Geschmack vom Käse, wenn man ihn mit Mezcal-Schnaps aromatisiert, wurde uns erklärt. Nur Churros, das frittierte Spritzgebäck mit scharfer dunkler Schokoladensauce serviert, ist am Tisch sehr gut angekommen. Aber dafür braucht man keine besondere Kreativität.

Belehrt – und dann vergessen

Auch der Service ließ einiges zu wünschen übrig, als sei das Personal beim ausgebuchten Restaurant überfordert. Wir wurden am Anfang mit großer Wichtigkeit darauf hingewiesen, dass die Gerichte nicht alle gleichzeitig gebracht werden: So würden wir Zeit haben, alles zu teilen und zu probieren, nach dem Prinzip des Hauses, "Sharing Is Caring". Nur sind die meisten Gerichte gleichzeitig oder in kurzer Reihenfolge angekommen, so dass wir uns beeilen mussten, damit nicht alles kalt wird.

Als wir dann fertig waren und gerne unseren Tisch für andere frei gemacht hätten, hat sich für die Rechnung lange keiner mehr blicken lassen. "La Lucha", der im Namen des Lokals angedeutete Kampf, mexikanische Küche als besonderes Erlebnis nahe zu bringen, scheint also noch ganz am Anfang zu sein …

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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