Die Werke über Friedrich stapeln sich. Vier von vielen kürzlich erschienenen und biografisch angelegten Werken im Überblick. Sie bieten unterschiedliche Einstiege zu einem Thema: Friedrich der Große.
Keine Biografie, dafür eine gut sortierte und sehr abwechslungsreiche Materialsammlung. Jens Bisky, Journalist und Schriftsteller, hat viele Archive durchforstet und einiges der dort gefundenen Schätze in sein Lesebuch aufgenommen.
Seine vier großen Kapitel sind biografisch angelegt und zeichnen mit den vielen unterschiedlichen Perspektiven auf Friedrich den Großen ein Bild seiner Zeit.
Das Buch von Johannes Unger ist mehr als ein Begleitbuch zum großen Doku-Drama, das der rbb für die ARD produziert hat.
Er erzählt spannend diesen Teil der deutschen Geschichte und zeichnet die Lebenslinien eines Mannes nach, der - schwer gedemütigt und zwangsverheiratet durch den Vater - seinen eigenen Weg geht. Die Widersprüche der Person werden deutlich gemacht, ohne die ein Verständnis der preußischen Geschichte schwierig ist.
Das Buch ist gut zu lesen - mit vielen thematischen Exkursen und hilfreichen Skizzen der damals wichtigen Territorialmächte. Eine gute Einstiegslektüre in das Thema.
Der Historiker und Preußenforscher Jürgen Luh orientiert seine Biografie Friedrichs des Zweiten an vier Eigenschaften, die den König charakterisieren: Ruhmsucht, Hartnäckigkeit, Eigensinn und - als späte Zugabe: Einsicht.
Die Biografie gibt einen guten Einblick in das Seelenleben des "Großen", der darüber selbst zwar wenig hinterlassen hat, aber doch in seinen Briefen und Schriften genug Hinweise auf seine Befindlichkeit liefert.
Der Journalist und Historiker Tillmann Bendikowski erzählt nicht nur die Stationen seines Lebens, er fragt vor allem nach dem, was über den Tod Friedrichs hinaus in jeder Generation von Friedrich "übrig" bleibt.
Bendikowski schreibt eine Rezeptionsgeschichte von Friedrich - vom 19. Jahrhundert über die Weimarer Zeit bis zur Gegenwart. Man erfährt über die preußenkritische Stimmung in katholischen Kreisen des 19. Jahrhunderts, über die Friedrich-Verehrung Hitlers bis zur Nachkriegszeit, in der erst langsam wieder eine Auseinandersetzung mit Friedrich in beiden deutschen Staaten begann.
Und: Darf man ihn heute feiern? Und wenn ja, als was? Bendikowski gibt vorsichtige Antworten auf diese Fragen.