
Den 300. Geburtstag des Preußenkönigs im Jahr 2012 nimmt das Deutsche Historische Museum zum Anlass für eine Ausstellung, die sich eingehend mit seinem Nachleben in Kunst, Politik und Geschichtsschreibung befasst.
Jürgen Gressel-Hichert hat die Kuratoren der Ausstellung Leonore Koschnick, Thomas Weißbrich und Arnulf Scriba befragt
Das Leben Friedrichs erfuhr in den über 200 Jahren seit seinem Tod nicht nur unterschiedliche Bewertungen durch die Historiker, sondern wurde auch immer wieder zum Bezugspunkt für politische Interessen: Im Vormärz sahen Liberale in ihm den aufgeklärten Herrscher, Konservative hingegen die Verkörperung preußischer Tugenden. Im Kaiserreich stieg er zum deutschen Nationalidol auf, in der Weimarer Republik galt er als Vertreter alter Werte und fester Ordnung und im Zweiten Weltkrieg stilisierte ihn die Propaganda zum unbeugsamen Schlachtensieger. Nach 1945 wurde der Preußenkönig in der Bundesrepublik und der DDR zunächst als Kriegstreiber verdammt, später weckten seine intellektuellen und künstlerischen Qualitäten das öffentliche Interesse.
Die Kuratorin Leonore Koschnick möchte Friedrichs Nachwirkungen in der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) in möglichst vielen Facetten darstellen. Denn der Preußenfürst war für viele Menschen Identifikationsfigur und mit der "Marke Friedrich" haben sich ganz verschiedene Ideen verknüpfen lassen.
Der Grund für diese unterschiedliche Rezeption sieht die Sammlungsleiterin Kunstgewerbe, Skulpturen und Graphik am DHM vor allem in der Tatsache, dass bis heute bei vielen Stationen im Leben Friedrichs II. nicht genau weiß, inwieweit sie zum eigenen Ruhme inszeniert waren. "Das macht ihn bis heute interessant"
Friedrich hat aber nicht nur Wirkung auf Politiker und Intellektuelle gehabt. Im Grund war er ein populärer Monarch. Der Historiker Thomas Weißbrich (Sammlungsleiter Militaria) hat sich als Ko-Kurator der Ausstellung unter anderem auch mit den Friedrich-Accessoires befaßt: Von Uniformröcken und Ölbildern bis zu kleinen "Devotionalien".
Das Bild von Friedrich wurde nämlich nicht nur durch öffentliche Ausstellungen "gemalt", populär waren zum Beispiel auch Zigarettensammelbilder und die vielen Legenden, die man sich vor allem über den "Alten Fritz" in der Bevölkerung erzählte.
Nach der Reichsgründung 1871 wurde Friedrich II. zur Nationalikone stilisiert, erzählt Arnulf Scriba, der sich unter anderem mit dem Aspekt NS-Zeit auseinandergesetzt hat. Denn während der preußische Held zum gesamtdeutschen Idol schon vor 1933 avancierte, nutzten die Nazis den Mythos Friedrich für ihre Zwecke.
Friedrich wurde als Feldherr gesehen, der eisern auch gegen eine Übermacht siegen konnte, seine Selbstzweifel sah man nicht, auch wenn sie mehrfach dokumentiert sind.
Dass man Friedrich überhaupt so unterschiedlich "benutzen" kann, liegt auch an der Vielschichtigkeit seiner Person, der eben Philosoph, Musiker und Kriegstreiber war.