Die Gewinnerinnen Jokl&Svak © rbb/Gundula Krause
Bild: rbb/Gundula Krause

- Sieg mit 105 Dezibel

28 Hausmusik-Ensembles hatten sich beworben. Sechs wurden ausgewählt und von Musikern des Deutschen Symphonie Orchesters (DSO) gecoacht. Am Sonntag Abend war es soweit: Im Heimathafen Neukölln traten die Ensembles beim zweiten kulturradio Klassik Slam gegeneinander an.

Die einen wollen ein Familienmitglied anfeuern, andere haben zufällig vom Klassik Slam erfahren, wieder andere waren bereits im letzten Jahr dabei: die Gründe, aus denen die über 300 Besucherinnen und Besucher in den Heimathafen kommen, sind vielfältig.

Um kurz nach sieben geht es los. Christian Schruff, der Moderator, betritt die Bühne. "Mit dem Klassik Slam wollen wir Hausmusik in die Öffentlichkeit holen", erklärt er. Die wichtigste Regel: der Applaus des Publikums entscheidet, wer gewinnt. Gemessen wird mithilfe eines Applausometers, das den Schallpegel des Beifalls bestimmt.

Mit Windstärke 5 in den Heimathafen segeln

Das Quintett WINDSTÄRKE 5 beginnt. Die fünf jungen Bläserinnen und Bläser im Alter zwischen 17 und 21 Jahren stammen aus Berlin-Reinickendorf. Sie geben sich selbstbewusst: "Wir wollen gewinnen, weil wir mit Windstärke 5 in den Heimathafen segeln."

Ein Menuett von Haydn, ein Quintett von Klughardt und der Ägyptische Marsch von Johann Strauß (Sohn) stehen auf dem Programm. "Tolles Zusammenspiel", lobt der Kritiker Kai Lührs-Kaiser. "Wer mit Windstärke 5 antritt, sollte auch zu Windstärke 10 fähig sein." Mit 104 Dezibel wird das Applausometer später den Beifall beziffern.

Das Ensemble "Windstärke 5" © rbb/Gundula Krause
Windstärke 5 | Bild: rbb/Gundula Krause

Eine mutige Musik-Wahl

Fast unmerklich hat in der Zwischenzeit das nächste Ensemble auf der Bühne Platz genommen. Jetzt steht das Berliner Trio VIVACE im Rampenlicht. Ein Toningenieur mit der Geige, die Bratsche spielt eine Programmiererin im Ruhestand, am Cello sitzt ein Koch.

Die drei haben sich für den ersten Satz aus Beethovens Streichtrio in c-moll entschieden. "Eine mutige Wahl", findet das Jury-Mitglied Andreas Göbel. Schließlich sei das "ja kein Pille-Palle-Stück". "Nur" 95 Dezibel Schallpegel erscheinen da fast ungerecht.

Das Applausometer zeigt 102 an

Die GOLDELSEN, drei Frauen aus Pankow, begeistern mit Chansons der 20er und 30er Jahre. Erstmals an diesem Abend sind aus dem Publikum Bravorufe zu hören. 101 zeigt das unbestechliche Messgerät am Ende. Nach der Hälfte des Programms ist längst deutlich: hier treten Laien-Ensembles gegeneinander an, die Musik aus Leidenschaft und mit sehr viel Hingabe machen und die darüber hinaus wirklich etwas vorweisen können.

So auch das Hannoveraner TRIO HALBSIEBEN – das um zehn vor acht auf die Bühne tritt. Die Live-Jury hat nichts auszusetzen: "So könntet Ihr jetzt auf Tournee gehen." Das Applausometer beschert 102.

Die Goldelsen © rbb/Gundula Krause
Die Goldelsen | Bild: rbb/Gundula Krause

Das PROJEKT INTRADA versucht es noch einmal

Bevor an diesem Abend das Duo mit dem gewitzten Namen JOKL & SVAK das Rennen machen wird, tritt noch das Bläseroktett PROJEKT INTRADA auf die Bühne. "Wiederholungstäter", wie der Moderator Christian Schruff das achtköpfige Ensemble nennt, denn PROJEKT INTRADA hatte bereits bei der vorherigen Ausgabe des Klassik Slam sein Glück versucht. 96 Dezibel zeigt das Applausometer in diesem Jahr.

Die Gewinnerinnen Jokl&Svak © rbb/Gundula Krause
Jokl&Svak | Bild: rbb/Gundula Krause

Zwei Gewinnerinnen aus Frankfurt an der Oder

105 zuvor bei JOKL & SVAK. Die beiden Abiturientinnen aus Frankfurt an der Oder haben ihr Duo nach ihren jeweiligen Vornamen und Instrumenten benannt: JOKL, das ist Johanna mit der Klarinette, SVAK steht für Svea mit dem Akkordeon. "Der beinahe tänzerische Auftritt und das nahezu blinde Verstehen des Duos machen deutlich, wieviel Musik mit Kommunikation und auch Körperlichkeit zu tun hat", sagt die Musikkritikerin Christine Lemke-Matwey.

Johanna Krech und Svea Westphal, die beiden Siegerinnen, dürfen sich nun auf die Einlösung des ersten Preises - eine professionelle Tonaufnahme im Haus des Rundfunks - freuen.

Antje Bonhage, kulturradio

kulturradio Klassik Slam 2018

Vorstellung der Ensembles und Paten 2018