Antonín Dvořák: Klavierquintette Nr. und Nr. 2 | Bagatellen; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 02.07. - 08.07.2018 - Antonín Dvořák: Klavierquintett Nr. 1 und Nr. 2 | Bagatellen

Ausgelassen und mit der richtigen Balance zwischen Klavier und Streichern spielt das Busch Trio mit seinen Gästen die Bagatellen und die beiden Klavierquintette. "Je mehr in der Musik von Dvořák sind, desto mehr genießen wir sie", sagt Omri Epstein.

Gemeinsam Radfahren, ins Fußballstadion gehen und zusammen Urlaub machen – die Musiker des Busch Trios sind auch in ihrer Freizeit als Ensemble unterwegs. Beim Musikstudium in London lernten die Brüder Ori und Omri Epstein den Geiger Mathieu van Bellen kennen. 2012 gründeten sie ihr, nach dem legendären Geiger Adolf Busch benanntes Trio.

Für das Label Alpha/ Outhere entsteht derzeit eine Gesamtaufnahme der Kammermusik mit Klavier von Antonín Dvořák. Jetzt ist die dritte CD erschienen, mit den beiden Klavierquintetten und den Bagatellen.

BuschTrio; © Kaupo Kikkas
Bild: Kaupo Kikkas

Energie wie bei Konzertauftritten

Mal schroff, mal flirrend, mal zärtlich und dabei immer elegant – das Busch Trio, ergänzt durch die Geigerin Maria Milstein und den Bratscher Miguel da Silva, hat seinen ganz eigenen Dvořák-Klang und lotet sämtliche Facetten der Partitur aus.

Das erste Klavierquintett sei ein junges und zuversichtliches Werk, erzählt Omri Epstein, Pianist des Busch Trios im Interview. "Alle Sätze sind in der Dur-Tonart und die Musik fließt sehr natürlich. Es macht Spaß zu spielen und zu hören." Diese Spielfreude der Musiker ist spürbar. Beeindruckend auch, wie die Gäste Maria Milstein und Miguel da Silva in das bestehende Trio integriert werden: jede Phrase wird gemeinsam empfunden. Auch beim 2. Klavierquintett, in das Dvořák deutlich mehr volkstümliche Elemente einfließen ließ.  

Dem Busch Trio gelingt es bei diesen Studioaufnahmen eine Energie entstehen zu lassen, wie man sie eigentlich nur von Konzertauftritten kennt. Dafür feuern sich die Musiker auch mal gegenseitig an. "Wir sagen zueinander 'no limit' und 'weiter, los', 'Fokus' oder 'relax'…wie eine Fußballmannschaft."

Ein Dvořák-Klang mit Suchtfaktor

In den 15 Jahren zwischen den beiden Klavierquintetten schrieb Dvořák unter anderem die Bagatellen. Sie entstanden für Dvořáks Hausmusik-Zirkel, für die Besetzung 2 Geigen, Cello und Harmonium, da der gastgebende Cellist kein Klavier im Haus hatte. Die Entscheidung zwischen Harmonium und Klavier ließ Dvořák den Interpreten mit einer kleinen Notiz in der Partitur offen.

Für Omri Epstein war nicht sofort klar, auf welchem Instrument die Aufnahme gespielt werden sollte. "Wir hörten beide und probierten die Bagatellen mit dem Harmonium aus. Aber wir fühlten, obwohl das Harmonium im Gegensatz zum Klavier einen Klang aufrechterhalten konnte, dass die Musik nicht notwendigerweise von der dickeren Textur profitieren würde. Das Harmonium ist vielleicht ein exotischeres Instrument, aber wir finden, dass der Geist der Musik nicht verloren geht, wenn es mit einem Klavier gespielt wird."

Ausgelassen und mit der richtigen Balance zwischen Klavier und Streichern spielt das Busch Trio mit seinen Gästen die Bagatellen und die beiden Klavierquintette. "Je mehr in der Musik von Dvořák sind, desto mehr genießen wir sie", sagt Omri Epstein.

"Böhmische Volkseinflüsse, starke germanische Struktur, sinfonische Orchestrierung, melodische Lyrik und starke rhythmische Interpunktion. Diese Vielseitigkeit macht die Musik so frisch und aufregend und wir werden nie genug davon bekommen können." Und in diesen Sog zieht uns das Busch Trio vollständig mit hinein. Ein Dvořák-Klang mit Suchtfaktor.

Kamilla Kaiser, kulturradio