"Beethoven Rarities"; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 12.03.–18.03.2018 - "Beethoven Rarities"

Ludwig van Beethoven hat 5 Klavierkonzerte geschrieben. Oder sind es vielleicht doch 6? Neu auf CD erschienen ist Ludwig van Beethovens Klavierkonzert in D-Dur, eine Tonart, die man nicht mit seinen Klavierkonzerten assoziiert. Wohl aber mit seinem einzigen Violinkonzert. Und noch mehr Beethoven-Raritäten sind auf dieser CD versammelt.

Unzählige Mal habe Howard Griffiths das Beethoven-Violinkonzert dirigiert, erzählt er. "Komischerweise habe ich das mit Geigensolisten gemacht, wo sie die Klavierkadenz gespielt haben auf der Geige, mit Paukenbegleitung, aber nie umgekehrt mit Klavier in der Originalfassung von Beethoven. Es hat mich sehr interessiert wie das klingt."

Tatsächlich existiert eine Bearbeitung des Stückes für Klavier, "wirklich authentisch von Beethoven!" betont Griffith, der dazu von einem gelungen pianistischen Werk spricht. Claire Huangci, die zuletzt mit Scarlatti-Aufnahmen brillierte, überzeugt am Klavier mit federleichtem Anschlag sowohl in den technisch anspruchsvollen Kadenzen als auch in den gesanglichen Passagen. Ursprünglich für die Geige gedacht ist es nicht die einfachste Übung, hier eine überzeugende Interpretation zu finden. Doch das Unterfangen ist gelungen.

Karneval auf altdeutsch

Von ganz anderer Anmutung ist die zweite Rarität, die Griffiths mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt präsentiert. Beethovens "Ritterballett" versammelt karnevalistische Stücken in altdeutscher Tracht. Zu "Marsch" und  "Jagdlied",  gesellen sich "Romanze", "Kriegs- und Trinklied". Immer wieder dazwischengesetzt ist ein Deutscher Tanz. Wie ein Running-Gag. Der Engländer Griffiths muss mit Schmunzeln dirigiert haben. Jeder Wiederholung des Ohrwurms gibt er dabei eine eigene Klangfarbe.

Kanonenkugeln durchs Orchester

Mit der dritten Beethoven-Rarität schließlich lassen es die Brandenburger krachen. Nicht Beethovens großartige 7. Sinfonie hatte im Dezember 1813 das Publikum aus den Sesseln gerissen, sondern tatsächlich die Uraufführung seiner Schlachtensinfonie "Wellingtons Sieg". Ein Militär-Spektakel mit Gänsehaut-Effekt. Zur Uraufführung damals standen gar die Kollegen Meyerbeer und Salieri an den großen Trommeln. Es muss Feststimmung geherrscht haben, ein Triumphkonzert über Napoleon gewissermaßen und diesen Spirit greift Griffiths auf.

Auch im Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt fliegen die Kanonenkugeln mit Begeisterung. Griffiths erklärt: "Zwei große Trommeln! Eine links für die Engländer, eines rechts für die Franzosen. Und das beginnt mit den Kanonen auf beiden Seiten, aber irgendwann wird es auf der rechten Seite – wenn Sie das stereo haben zu Hause – die rechte Seite wird irgendwann stumm und das sind die französischen Kanonen."  Denn Wellington hatte Napoleons Cousine in der Schlacht bei Vittoria besiegt.

Es gab bisher keine moderne Aufnahme dieses musikalischen Schlachtengemäldes, sagt Howard Griffiths. Es war also an der Zeit. Dass der Dirigent sein Orchester dabei mit Leidenschaft führt, hört man. Griffiths: "Wir hatten es auch im Konzert gemacht, und als die französischen Kanone dann verstummte, war ich als Engländer natürlich sehr stolz."

Ulrike Jährling, kulturradio