"Benoit Laurent – Mr. Handel's Musicians"; Montage: rbb
Bild: Perfect Noise

CD DER WOCHE | 19.02.–25.02.2018 - "Benoît Laurent – Mr Handel's Musicians"

Das junge Ensemble "Teatro del Mondo" hat in der überregionalen Alte-Musik-Szene noch keinen großen Namen. Nun geht es mit mehreren CD-Veröffentlichungen in die Offensive. Den Auftakt bildet eine kammermusikalische Reise in Händels London in Trio-Besetzung.

Die Produktion von CDs ist für Ensembles im Klassikbereich heutzutage kaum noch lohnend. Andreas Küppers, der Leiter von "Teatro del Mondo", bezeichnet sie als Liebhaberei. Dennoch wird er mit seinem Ensemble in den kommenden Monaten gleich mehrere neue CDs herausbringen. Denn noch immer sind Schallplatten die wichtigste Visitenkarte von Musikern bei Konzertveranstaltern und Festivals.

Deshalb nahm Küppers gerne das Angebot des Schlagzeugers Stefan Gawlick an, für dessen junges Label "Perfect Noise" eine Serie von CDs aufzunehmen. Mit dem in einer winzigen hessischen Kirche produzierten Programm "Mr Handel’s Musicians" liegt nun ein erstes spannendes Ergebnis dieser Kooperationvor.

Ohne Grenzen

Musikalisch lässt sich Küppers in seiner Arbeit nicht gern einengen, vor allem besetzungstechnisch. Einmal tritt der Spezialist für historische Tasteninstrumente mit "Teatro del Mondo" in Orchesterstärke auf, ein anderes Mal mit Sängern oder als Miniformation. Seine Künstlerische Freiheit bedeutet ihm alles.

Bei der Aufnahme von "Mr Handel’s Musicians" waren außer ihm nur zwei weitere Musiker beteiligt, die beide mit ihm befreundet sind: der belgische Barockoboist Benoît Laurent und die Frankfurterin Marie Deller, die sowohl Violoncello als auch Blockflöte spielt.

Abwechslungsreiches Programm

Dennoch klingt die Aufnahme alles andere als dünn oder eintönig. Geschickt lassen die Musiker unterschiedliche Instrumentenkombinationen einander ablösen, wobei ein paar kurze Solostücke für Cembalo und die besonders aparte Kombination von Oboe und Blockflöte plus Cembalo für spezielle Aufmerksamkeit sorgen. Auch von der Wiedergabe einzelner Sonatensätze lassen sie sich nicht abschrecken.

Der Titel gebende Georg Friedrich Händel ist dabei außer mit einem Suitensatz für Cembalo solo lediglich mit einer Arie aus dem Oratorium "Solomon" vertreten, die sein Herausgeber John Walsh für Instrumente bearbeitet hat.

Viele Entdeckungen

Ausgangspunkt des Programms ist Händels Opernorchester am Haymarket Theatre, das zahlreiche Virtuosen aus Deutschland und vor allem Italien nach London lockte. Das prosperierende London war damals ein 'Hotspot' musikalischer Aktivitäten. Und viele der Musiker, die in Händels Orchester spielten oder eng mit ihm verbunden waren, komponierten auch selbst.

Heutzutage sind damals gefeierte Künstler wie Pietro Castrucci oder Thomas Vincent hingegen vollkommen unbekannt. Deshalb wundert es nicht, dass auf der CD auch diverse Ersteinspielungen zu finden sind.

Oboe im Mittelpunkt

Die meisten der erstmaligen Aufnahmen steuerte Benoît Laurent bei, der sich auch als Forscher intensiv mit dem Londoner Oboenrepertoire im 18. Jahrhundert beschäftigt hat. Der 35-Jährige, den Albrecht Mayer als Ideengeber für seine Ausflüge in die barocke Musik nennt, beeindruckt mit farbenreichem und kantablem Spiel, sein Instrument klingt dabei außergewöhnlich charaktervoll.

Aber Laurent brilliert nie auf Kosten seiner Mitmusiker, zumal Marie Deller mit zwei Cellosonaten von Giovanni Bononcini und Johann Ernst Galliard starke klangliche Kontrapunkte setzt. Andreas Küppers hält das Ganze vom Continuo-Cembalo aus mit feinsinnigem Spiel zusammen, wobei er mit dem Einsatz des Lautenzuges immer wieder amüsante Klangkontraste liefert.

Rainer Baumgärtner, kulturradio