Fauré Quartett: Pictures at an Exhibition; Montage: rbb
Bild: BerlinClassics

CD DER WOCHE | 08.–14.10.2018 - Fauré Quartett: "Pictures at an Exhibition"

Wer Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung kennt hat höchstwahrscheinlich die Orchesterfassung von Maurice Ravel im Ohr, mit der das Werk weltberühmt wurde. Jetzt schreibt das Fauré Quartett die Geschichte fort. Auf zu neuen Klängen!

"Es geht um Klänge, die einen im besten Sinne von den Socken hauen!" So schlicht und einfach formuliert es der Cellist des Fauré Quartetts, und noch überspitzter sagt der Pianist: "Vergessen Sie Kammermusik!". Natürlich könne man sich allein vom Klangvolumen her mit keinem Orchester vergleichen, führt der Cellist Konstantin Heidrich im Interview weiter aus, aber das sei auch gar nicht wichtig. Dafür käme man viel besser in die Extreme, könne so "wahnsinnig leise und so wahnsinnig laut" spielen, sei auch viel beweglicher als ein großer Klangkörper. Überhaupt – die Klangfarben!

Tatsächlich vermag Erica Geldsetzer in Mussorgkskis "Altem Schloss" auf ihrer Geige fast wie eine Panflöte zu klingen, spukiger war es im Schloss selten. Im Experimentieren mit Klängen lag unbedingt der Reiz bei dieser Interpretation zu viert. "Sachen, die dann auf einmal rauskommen, wo man denkt, das Stück kenne ich so lang, das hab ich schon als Kind gehört, und jetzt kann ich das endlich mal so probieren erklingen zu lassen, wie ich es mir schon immer erträumt hab", sagt Konstantin Heidrich.

Ein Arrangement auf den Leib geschneidert

1922 war es der umtriebige Dirigent Sergej Kussewitzki, der Maurice Ravel den Auftrag zur Orchestrierung der Bilder einer Ausstellung gab. Jetzt legt Dirk Mommertz, der Pianist des Fauré Quartetts, mit seinem Arrangement für die eigene Besetzung nach. Das Konzept überzeugt, vor allem, weil sich im Fauré Quartett klangliche Finesse mit weltmeisterlicher Klasse paart. Das Getümmel auf dem "Marktplatz von Limoges" zum Beispiel ist nur klein, dafür aber sehr greifbar. Vier Musiker in brillantem, herrlich lebhaftem Zusammenspiel.

Das zweite maßgeschneiderte Arrangement widmet sich einigen Bilder-Etüden von Sergei Rachmaninoff, seinen Études Tableaux für Klavier. Ottorino Respighi hat die zum Teil virtuose Tondichtung kongenial orchestriert. Den Anstoß dazu gab ebenfalls Kapellmeister Kussewitzki. Und wieder ging in quasi "zweiter Reihe" Pianist und Arrangeur Dirk Mommertz ans Werk, schrieb seine Bearbeitung für das Fauré Quartett. Die vier Musiker malen phantastische Szenen aus: Bilder von Rotkäppchen und dem Wolf, von Jahrmarkt und Trauermarsch. Auch das Meer und die Möwen sind dabei, Melancholie inklusive.

Genuss mit Bildern im Kopf

Die Titel stammen nicht von Rachmaninoff selbst; der Komponist beschrieb Respighi in einem Brief seine Inspirationen, erst in der Orchesterfassung fanden sie sich dann als Überschriften. Man braucht sie nicht beim Hören, aber es bereitet Freude, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, wenn der Titel einen in die Spur gesetzt hat. Bei den bekannten "Bildern einer Ausstellung" sowieso. So sieht es auch der Cellist Konstantin Heidrich: "Natürlich erinnert der Bydlo an einen großen Ochsenkarren, aber jeder sieht da seinen eigenen Karren, die Gedanken sind frei. Es ist zwar Programmmusik, aber jeder hat dadurch seine eigene Assoziationen".

Das Fauré Quartett klingt in irgendeiner Weise russisch mit seinen leidenschaftlichen, an manchen Stellen auch klanglich rauen Interpretationen. Die Violinistin Erika Geldsetzer formuliert es so: "Im Prinzip ist es das Beste aus Beidem. Original war es eine Klavierversion, das heißt, es ist ja keine Reduktion von einem Orchesterstück, sondern quasi das Beste vom Besten, nämlich: die Mitte".

Auf jeden Fall hören wir einen gelungenen Zugriff in dem besonderen Arrangement zu viert.

Ulrike Jährling, kulturradio