Hornkonzerte von Michael und Joseph Haydn © Avi - Service for music
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CD DER WOCHE | 03.12. - 10.12.2018 - Hornkonzerte von Michael & Joseph Haydn

Drei Hornkonzerte von Michael Haydn und nur eines vom bekannteren Joseph Haydn – mit dieser Auswahl hat sich der tschechische Hornist Přemysl Vojta ganz bewusst für den jüngeren Bruder entschieden.

Allein die unglaublich schöne Melodie im langsamen Satz des Hornkonzerts in D-Dur gibt Přemysl Vojta recht, wenn er sein Album mit dem weniger bekannten Michael Haydn beginnen lässt.

Schätze

Warum der jüngere Haydn heute geringer geschätzt wird, kann Vojta auch nicht genau sagen. Denn Michael Haydn war ebenso produktiv wie sein Bruder, hat mehr als 40 Sinfonien, ebensoviele Messen und zahlreiche Instrumentalkonzerte komponiert. Doch um jetzt einige dieser Schätze ans Licht bringen zu können, musste Vojta tief in den Archiven graben. "Wir haben verschiedene Quellen besucht, beim Joseph Haydn Institut in Köln, aber auch in München, Salzburg und Wien. Und das war schon interessant zu sehen, was es dort alles von ihm gibt."

Doppelkonzert

Zum Beispiel Michael Haydns Doppelkonzert für Horn und Posaune. Přemysl Vojta spielt dieses Werk im Duo mit dem französischen Posaunisten Fabrice Millischer. Beide Musiker haben vor gut zehn Jahren mit einem Sieg beim ARD-Musikwettbewerb in München den Grundstein für ihre Karrieren gelegt. Voijta spielte zunächst im Konzerthausorchester Berlin, seit drei Jahren ist er Solohornist beim WDR Sinfonieorchester in Köln.

Millischer ist heute Professor für Posaune in Freiburg im Breisgau. Auf dem Album treffen sich die beiden Blechbläser, um mit größter Spielfreude die schönen Melodien dieses Doppelkonzertes gemeinsam vorzutragen. "Bei dieser Aufnahme ist wirklich sehr viel Energie entstanden. Und unser Cembalist hat in einer Pause irgendwann einmal gerufen: Oh, vielen Dank, dass ich dabei sein darf! So ein Gefühl hatten wir eigentlich alle, wir waren dankbar, diese Musik spielen zu dürfen!"

Prag

Die gute Stimmung bei der Aufnahme des Albums hört man in jedem Takt und in jeder Note. Zwei Wochen lang hat Vojta, der 1983 in Brno geboren wurde, intensiv mit den rund 20 Musikern des Prager Haydn-Ensembles zusammengearbeitet und mit dem Dirigenten Martin Petrák das Programm des Albums zusammengestellt.

Auch die besondere Atmosphäre des Aufnahmeortes habe eine äußerst positive Wirkung gehabt: das Prager Kulturzentrum in der ehemaligen Sankt-Anna-Kirche, nicht weit entfernt von der Karlsbrücke. Dieser Ort, erzählt Vojta, bildet mit dem nahegelegenen Smetana-Haus und dem Dvořák-Saal in der Innenstadt ein besonderes "Dreieck der Musik".

Überirdisch

"Joseph Haydn war sehr gläubig", betont Přemysl Vojta mit Blick auf den langsamen Satz im abschließenden Hornkonzert des älteren Haydn-Bruders. "Ich finde, dass er gerade im zweiten Satz eine große Nähe zu Gott hat, dass er dort etwas anderes sucht, als in der normalen Welt. Deshalb geht er dort in die extrem hohe Lage – was sehr anspruchsvoll zu spielen ist – und plötzlich springt er in eine sehr tiefe Lage – was für mich sehr emotional ist."

In ihrer religiösen Haltung seien die Brüder Haydn durchaus vergleichbar, meint Vojta. Doch bei der Auswahl und Gewichtung der Hornkonzerte hat sich der Hornist nicht zufällig für drei Werke von Michael Haydn entschieden und für nur eines von Joseph Haydn. Der langsame Satz in diesem letzten Konzert ist dann allerdings an klanglicher Schönheit kaum zu überbieten – auf einem Album, das durch den überragenden Ton dieses Ausnahme-Hornisten, im Zusammenspiel mit dem historisch-informierten Kammerorchester aus Prag,  aber eigentlich nur aus Höhepunkten besteht.

Hans Ackermann, kulturradio