Johann Sebastian Bach: Violinkonzerte 1 &2 | Partita Nr. 2 mit Daniel Lozakovich; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 18.06. – 24.06.2018 - Johann Sebastian Bach: Violinkonzerte 1 &2 | Partita Nr. 2

Mit Bach zeigen, wer man ist: das Debüt von Daniel Lozakovich.

Der schwedische Geiger Daniel Lozakovich ist gerade einmal 17 Jahre jung. Wie andere Jugendliche geht er noch zur Schule, sein Herz aber schlägt für die Musik. Soeben ist seine Debüt-CD erschienen – ausschließlich mit Werken von Johann Sebastian Bach: die Violinkonzerte Nr. 1 und 2 und die Partita in d-Moll. Bach zu spielen heißt für Lozakovich: zu zeigen, wer er ist. Denn mit Bachs Musik könne er sich am besten ausdrücken.

Ein Strich mit Stärke geführt

Im zweiten Satz des zweiten Violinkonzerts zum Beispiel. Lozakovich macht hörbar, wie empfindsam er sein kann, stets bewahrt er dabei eine große Ruhe. Kristallklar, zart, aber mit Stärke geführt klingt sein Strich. "Das Violinkonzert in E-Dur hat eine große Strahlkraft", sagt Daniel Lozakovich.

"Der zweite Satz hat etwas Inwendiges. Er ist ganz anders als der erste und dritte Satz. Er fühlt sich an, als spreche man zu Gott. Dieser zweite Satz ist unheimlich schön."

Schön ist auch die Sarabande der Partita in d-Moll. Ein eigentlich höfischer, eleganter – hier aber eher sehnsuchtsvoller Tanz. Ganz im Gegensatz zur darauf folgenden heiteren Gigue

Bachs Partita in d-Moll mit ihren fünf Tänzen ist das Solowerk des Albums. Das Hauptwerk. Obwohl es auf der CD erst an letzter Stelle, nach den beiden Violinkonzerten folgt.

Das größte Musikstück aller Zeiten

Für Daniel Lozakovich ist der Schlusssatz, die Chaconne, das bedeutendste Stück für Solovioline aller Zeiten, "wenn nicht sogar das größte Stück Musik überhaupt." Fast 15 Minuten dauert die Chaconne. Mit acht Jahren hat Lozakovich sie zum ersten Mal gehört, seit er 15 war spielt er sie selbst. Es gebe viele verschiedene Theorien, warum Bach die Chaconne geschrieben habe, erzählt er.

Gedanken über Tod und Auferstehung

Eine Theorie besagt, dass er sie seiner Frau Maria Barbara, die kurz zuvor gestorben war, gewidmet habe. Lozakovich findet, dass man das in dem Stück hören könne:

"Am Ende der Chaconne, da sind diese chromatischen Tongänge und dann immer wieder dieses A. Für mich sind das Totenglocken. Ich war richtig erschüttert, als mir das klargeworden ist, und auf einmal habe ich das ganze Stück ganz anders gehört. Und dann, nach den Glocken, kommt dieses Dadada dadada dadada dadada…. Das ist die Auferstehung!"

Meisterhafte Technik

An den Interpreten stellt die Chaconne hohe technische Anforderungen. Nicht umsonst ist sie bei Geigen-Wettbewerben häufig ein Pflichtstück. Lozakovich meistert die Herausforderung mit scheinbarer Leichtigkeit:

"Ich nehme große Anstrengungen in Kauf, die Hauptmelodie hörbar zu machen. Viele Geiger machen das nicht, weil sie sagen, dass man zu Bachs Zeiten nicht so gespielt habe. Aber es gibt ja keine Aufnahmen davon, wie damals gespielt wurde. Und warum müssen wir überhaupt zurückblicken: Wir sind im Hier und Jetzt. Und ich finde, wenn es mich hier und jetzt berührt, ein Stück in einer bestimmten Weise zu spielen, dann ist es so richtig."

Analytische Herangehensweise – mit Gefühl und Reife

Daniel Lozakovich hat eine analytische, ja fast etwas verkopfte Herangehensweise an die Werke auf seiner CD – aber ohne dass das Gefühl dabei auf der Strecke bleibt. Manchmal dürfte zwar alles noch ein wenig intuitiver fließen. Mehr Reife jedoch als auf dem Album zu hören kann man für sein jugendliches Alter nicht erwarten.

Antje Bonhage, kulturradio