"Kian Soltani – Home"; Montage: rbb
Bild: Deutsche Grammophon

CD DER WOCHE | 03.–09.09.2018 - Kian Soltani: "Home"

Der junge Cellist Kian Soltani ist aus dem Vorarlberg nach Berlin gezogen. Hier ist er ein bevorzugter Kammermusikpartner von Daniel Barenboim, der ihn auch in das West Eastern Divan Orchestra geholt hat. Auf seinem Solo-Debüt spürt er dem Klang von "Heimat" nach.
      

Aufgewachsen ist Kian Soltani in Bregenz als Kind einer persischen Musikerfamilie. Nebenher betrieb der Vater Weinbau und ging mit den Kindern gerne in den Bergen wandern. Dort fühlt sich der Cellist auch heute noch zu Hause.

Zu seiner musikalischen Heimat gehört unbedingt Franz Schubert. Die Arpeggione-Sonate, die er von Jugend an spielt, hat er bewusst an den Anfang seiner CD gestellt. Auch wenn das Stück zu den bekanntesten zählt, hat es doch seine Tücken. Äußerlich einfach, fordert es einen technisch überlegenen Solisten.

Kian Soltani hat sich die Mühelosigkeit, mit der er hier auftritt, hart erarbeitet. Schon mit zwölf Jahren begann sein Studium bei Ivan Monighetti, der ihm die russische Schule der kräftigen Bogenführung beibrachte und darüber hinaus die ganze Persönlichkeit forderte.

Unaufringliche Intensität

Wenn es so etwas wie "unaufdringliche Intensität" gibt, dann in Kian Soltanis Celloton. Bei Schumanns Lied "Du bist wie eine Blume" zeigt sich seine Qualität wie im Brennglas: Er überlädt die Melodielinie nicht mit Ausdruck, sondern formt sie umsichtig mit leicht bebender Emotion. Dieser betörende Ton durchzieht auch die die "Persischen Volkslieder", die der iranische Komponist Reza Vali speziell für den Solisten komponiert hat. Sie balancieren gekonnt auf der Grenze von überlieferten Liedern und Neuerfindung.

Seine Debüt-CD beschließt Kian Soltani mit einem Solo, das er für sich selbst als Zugabe nach anstrengenden Konzertabenden komponiert hat. Dieser "Persische Feuertanz" könnte bei Derwischen Heimatgefühle wecken, ist aber pure bewegungsfreudige Fantasie.

Dirk Hühner, kulturradio