"LGT Young Soloists – Nordic Dream"; Montage: rbb
Bild: Sony

CD DER WOCHE | 07.–13.05.2018 - "Nordic Dream"

Jugendorchester gibt es wie Sand am Meer. Die LGT Young Soloists setzen sich deutlich von den anderen ab: Mehr als 80 internationale Preise hat das junge Ensemble bereits eingeheimst. Jetzt ist ihre dritte CD "Nordic Dream" erschienen.

Routiniert ist hier keiner! Die LGT Young Soloists sind erst zwischen 12 und 23 Jahren alt und kommen aus so verschiedenen Ländern wie Deutschland, Holland, Israel, England, Tschechien oder Polen. Viele von ihnen gehen noch zur Schule, haben aber bereits etliche Preise bei Musikwettbewerben gewonnen. Andere studieren schon Musik. Alle verbindet, dass sie später einmal Berufsmusiker werden wollen, so wie die 14 Jahre alte Lir Valinsky aus Israel, die bereits mit neun Jahren ihr Debüt als Geigerin gegeben hat.

Miteinander statt Gegeneinander

2013 hat Alexander Gilman zusammen mit der Pianistin Marina Seltenreich das junge Orchester "LGT Young Soloists" gegründet. Seine Idee, war es, jungen hochbegabten Musikern die Möglichkeit zu geben, gemeinsam Musik zu machen. Namensgeber des Orchesters ist die LGT Bank aus Liechtenstein, die nach einem Konzert von der Idee so begeistert war, dass sie das Orchester seitdem finanziell unterstützt. Denn gerade das Miteinander fehlt den Jugendlichen oft, weiß der 35 Jahre alte Alexander Gilman:

"Als ich in dem Alter war, also 13, 14, 15, da stand ich bei mir zu Hause im Zimmer und habe alleine geübt. Und wenn ich Kollegen von mir kennengelernt habe, dann war das bei Jugend musiziert. Bei einem Wettbewerb, wo man gegenseitig eigentlich antreten musste, was meiner Meinung nach aber absolut nicht Sinn und Sache der Musik ist."

Strenges Auswahlverfahren

Wer bei dem Orchester mitspielen möchte, muss nicht nur technisch sehr gut, sondern auch ein Teamplayer sein. Das Auswahlverfahren ist streng: Nach einem Vorspiel und einem langen Gespräch werden die Jugendlichen zu einer gemeinsamen Probenphase eingeladen, bei der sie unter Beweis stellen, ob sie gut in die Gruppe passen. Alexander Gilman möchte die LGT Young Soloists nicht nur auf eine Solokarriere vorbereiten, sondern auch als Kammermusiker und Orchestermusiker ausbilden.

Experimentierfreudig

Zum Job eines professionellen Musikers gehört auch, ein Gefühl dafür zu haben, welches Repertoire zu einem passt. Auf "Nordic Dream" durften die Jugendlichen die Stücke mit aussuchen. Dabei zeigten sie sich ausgesprochen experimentierfreudig und haben sogar spontan Stücke umarrangiert. So wie die Violinromanze von Johann Svendsen, hier eingespielt auf dem Cello, oder die bekannte Serenade op. 33 für Klavier von Christian Sinding für Harfe.

"Dadurch entstehen natürlich dann auch solche Aufnahmen, die es bis dato noch nicht gibt. Die Jugendlichen gehen nicht immer dem typischen Standard-Repertoire nach, sondern suchen auch immer neue Herausforderungen."

Erfrischend unroutiniert

Neben der bekannten Serenade und dem berühmten "Valse triste” von Jean Sibelius gibt es auf "Nordic Dream” viele unbekannte skandinavische Werke und sogar eine Auftragskomposition von dem 1955 geborenen schwedischen Komponisten Jan Alm zu entdecken. Die LGT Young Soloists interpretieren all diese unterschiedlichen Werke so jugendlich frisch, unvoreingenommen und direkt, dass man bei jedem Stück neu überrascht wird. Packend!

Beate Stender, kulturradio