Christian-Pierre La Marca & Lise de la Salle: Paris-Moscou; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 25.06. - 01.07.2018 - Christian-Pierre La Marca & Lise de la Salle: "Paris-Moscou"

Russische und französische Komponisten haben sich nicht wenig gegenseitig beeinflusst. Ihrer CD den Titel "Paris-Moscou" zu geben, lag für die Pianistin Lise de La Salle und Christian-Pierre La Marca deshalb nahe.

Am Anfang der CD habe die Cellosonate von Rachmaninov gestanden, erzählt Lise de La Salle.

"Wir haben dann ein ganzes Programm um diese Sonate herum erarbeitet. Und dann kam uns die Idee, die beiden Länder gegenüberzustellen, Russland und Frankreich. "Im Zentrum stehen Rachmaninov und Fauré, zwei große Vertreter der Romantik."

Eine ausgeprägte Romantik in ihren verschiedenen Facetten, genau das sei das Thema der CD, ergänzt Christian-Pierre La Marca. Der Cellist ist seit einigen Jahren Duopartner von Lise de la Salle. "Paris-Moscou" ist ihr erstes gemeinsames Album.

Hier Paris, dort Moskau

Die Werke der CD haben sie in zwei Blöcke unterteilt, und zwar nach den beiden Herkunftsländern der Komponisten. Zuerst die Franzosen: Fauré, Saint-Saëns und Massenet. Dann die Russen: Strawinsky, Rachmaninow, Prokofjew und Rimski-Korsakow.

Die Aufteilung ist vielleicht nicht so originell, aber der klangliche Bogen, den Lise de la Salle und Christian-Pierre La Marca schlagen, die Art und Weise, wie sie Franzosen und Russen interpretieren, ist besonders. In der sehr unterschiedlichen Musik haben sie durchaus Verbindendes entdeckt:

"Vielleicht geht nur uns das so, aber was wir interessant fanden, war, dass wir diese vielleicht typisch französische Eleganz von Fauré oder Saint-Saëns, dieses Grazile im Klang, in der Phrasierung, überhaupt im ganzen Aufbau auch in der Sonate von Rachmaninov gefunden haben."

Romantische Geschichten

Die CD versteht sich als eine Reise. Eine Reise durch einen Teil der Musikwelt des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Mit immer wieder: kleinen Liebesgeschichten. Insofern nicht nur eine epochale, sondern auch eine thematische Verbindung zur Romantik. Die muss nicht immer nur ernst sein:

In "Die Liebe zu den drei Orangen" zum Beispiel, eigentlich eine Oper von Sergej Prokofjew über einen Prinzen, der nicht lachen kann. Ein Bann verflucht ihn dazu, drei Orangen zu lieben. Es ist ein Werk voll typisch prokofjew’scher Ironie. Auf dem Album ist daraus der Marsch aus dem zweiten Akt zu hören, in einem Arrangement für Cello und Klavier.

Ebenfalls auf einem Vokalwerk basierend: das "Russische Lied" aus Igor Stravinskys Oper Mavra – eine Liebesgeschichte in Form einer Farce, einer Opera bouffa.

Neben diesem eher selten gespielten Arrangement gehören regelrechte Dauerbrenner zum Repertoire, wie Gabriel Faurés "La Pavane" oder "La Sicilienne": "Diese Schlager sind so unglaublich schön, dass man versteht, warum sie so beliebt geworden sind", sagt Lise de la Salle.

Christian-Pierre La Marca (Cello) und Lise de La Salle (Klavier); © SONY/Julien Mignot
Bild: SONY/Julien Mignot

Geteilte Leidenschaft und harmonisches Zusammenspiel der Interpreten

Man spürt die Leidenschaft, mit der die jungen Musiker bei der Sache sind. Beide sind um die 30. Christian-Pierre la Marca ist unter anderem ein erprobter Kammermusiker. Lise de la Salle hat sich vor allem als Solo-Pianistin einen Namen gemacht. Das Zusammenspiel der beiden ist sehr organisch, ein natürlich wirkender Dialog, besonders deutlich in der Cellosonate von Rachmaninow. Diese Musik werde oft sehr dick und gedehnt gespielt, findet La Marca:

"Wir haben versucht, das Gegenteil zu machen. Auch wenn wir uns insgesamt für ein eher langsames Tempo entschieden haben, versuchen wir, eine schlanke Linie beizubehalten. Ich finde, das charakteristiert unser Spiel."

Luftiges statt Schwermut

Tatsächlich spielt das Duo einige Stellen schlanker und transparenter als man es in manch anderer Aufnahme von Rachmaninows Sonate hört.

Generell ist die Romantik der beiden Interpreten weniger von Schwermut geprägt, sie ist fast lebensfroh, vergnügt, auf jeden Fall hat sie etwas Leichtes, Luftiges. Immer wieder begegnet sie einem auf der CD, diese – wie Lise de la Salle sie nennt: "typisch französische Eleganz".

Antje Bonhage, kulturradio