Duo Kermani-Gentili: Ode an die Rhapsodie; Montage: rbb
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CD DER WOCHE | 19. - 25.11.2018 - "Ode an die Rhapsodie"

Besonders beliebt war die Rhapsodie im späten 19. Jahrhundert. Dass auch in jüngster Zeit Komponisten immer wieder gern auf diese freie Form zurückgreifen, zeigt ein neues Album des "Duo Kermani-Gentili" aus Berlin.

Das ist das große Anliegen von Kymia Kermani und Alba Gentili-Tedeschi. Das war den beiden Musikerinnen schon vor sechs Jahren klar, als sie sich in Berlin zum ersten Mal begegnet sind. Seitdem haben sie sich die in unzähligen gemeinsamen Konzerten kennen und schätzen gelernt.

Inspiration bei Debussy und Gershwin

Die "Prémiere Rhapsodie" von Claude Debussy und die "Rhapsody in Blue" von George Gershwin, diese beiden Meilensteine der Rhapsodie-Literatur waren der Ausgangspunkt für das Duo Kermani-Gentili, nach anderen, weniger bekannten Werken dieser Gattung zu suchen. Fündig sind sie etwa bei dem französischen Komponisten Roger Boutrie geworden. Seine dreisätzige Rhapsodie "Azuka" für Klarinette und Klavier aus dem Jahr 2004 wurde von dem gleichnamigen japanischen Fluss inspiriert.

Drei Ersteinspielungen

Dazu gehört die "Rhapsodie Provencale" des Franzosen Lucien Excoffier aus dem Jahr 1962, ein kurzes, humorvolles Stück, das meist am Beginn der Konzerte des Duos Kermani-Gentili steht. Und auch einem Berliner Komponisten hat das Duo Kermani-Gentili auf seinem Debüt-Album ein Denkmal gesetzt: Siegfried Borris. Wegen seiner jüdischen Herkunft durfte er seine Lehrtätigkeit an der Berliner Musikhochschule während des Dritten Reichs nicht weiter ausüben.

Nach dem Krieg schrieb er vor allem Stücke für Jugendliche und war viele Jahre lang Mitglied im Programmbeirat beim "Sender Freies Berlin". Ans Ende seiner "Ode an die Rhapsodie" hat das Duo Kermani-Gentili einen wahren Rausschmeißer gesetzt: Gershwins "Rhapsody in Blue". Alba Gentili-Tedeschi hat sie für Klarinette und Klavier bearbeitet. Ein Klassiker, der auch in keinem Konzert der beiden fehlen darf.   

Ein mutiges Debüt-Album

Es gehört Mut dazu, auf einer Debüt-CD so viele unbekannte Stücke zu versammeln. Das Ergebnis aber spricht für sich: mit großer Virtuosität und viel Hingabe zeigt das Duo Kermani-Gentili, auf welche Schätze man stoßen kann, wenn man sich mit offenen Ohren auf die Suche danach begibt.

Ulrike Klobes, kulturradio