"Slixs: Quer Bach 2"; Montage: rbb
Bild: Hey!Classics

CD DER WOCHE | 28.05.–03.06.2018 - SLIXS: "Quer Bach 2"

Schon vor einigen Jahren begeisterte die A-Capella-Formation SLIXS mit Bearbeitungen von Bachscher Instrumentalmusik. "Quer Bach" hieß damals die CD mit Musik, die ursprünglich als Soundtrack für einen Film entstanden war. Jetzt gibt es gesungenen Bach in Albumlänge – von Violinkonzert bis Goldbergvariation.     

Wer Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen im Ohr hat wird sofort aufhorchen. Und dann vielleicht an Glenn Gould denken, den genialen, der Bach ja auch schon mitsang. Michael Eimann, Sänger und Arrangeur der Vokalband SLIXS, ließ sich tatsächlich von genau diesen berühmten Gould-Aufnahmen inspirieren. Wenn er für die fünfköpfige Formation SLIXS arrangiert, passt er zunächst den Tonumfang an, denn die menschliche Stimme hat weit weniger Oktaven als das Klavier. Dann geht es um die Stimmverteilung, und nicht immer singt die (einzige) Frau die Oberstimme.

Was ist mit den legendären Swingle Singers?

Für Michael Eimann ist die Gruppe, die in den 1960er Jahren populär wurde, nur Geschichte. Er hat sich alte Aufnahmen angehört vom verswingten Bach mit Schlagzeug und sagt: "Wir wollen auf gewisse Weise noch weiter gehen. Gerade was die Auswahl der Silben angeht beim Singen." SLIXS finden eine eigene Sprache für Bachs Instrumentalmusik.

Vor allem in den Melodiebögen. Die Silben, die die Musiker verwenden, lesen sich zunächst kurios: "Dawa-dawa-dia-gasa-basihua-bria-dawa". Gesungen kommen sie mit beeindruckender Leichtigkeit daher, denn SLIXS bewegen sich auf höchstem Niveau was Intonation und Artikulation angeht. Ihr Bach ist verspielt, oft sehr sinnlich, in manchen Momenten auch intim. Ein Effekt, der vor allem durch die Art der Aufnahme entsteht, erklärt Michael Eimann: "Wir singen nicht vollstimmig, wir singen nicht forciert, sondern sehr sehr nah am Mikro und sehr entspannt sozusagen."

Das Repertoire: Quer Bach

SLIXS singen sonst Jazz, Funk und Weltmusik. Bach ist komplizierter. Steht das Arrangement erst einmal fest, lässt er keine Freiheit mehr. Mit ihrem Album "Quer Bach 2" ist die A-Capella-Band in der disziplinierten Welt der Klassik gelandet, Werktreue inbegriffen – jedenfalls was die Noten angeht. Instrumentaler Bach in Vokalkunst gefasst ist immer eine Geschmacksfrage, wer selber gern singt, wird inspiriert sein. Auf jeden Fall aber gewinnt man beim Hören an Erkenntnis. Das ging selbst dem Arrangeur Michael Eimann so: "Dass dann so Zwischenstimmen von Werken, die man sein ganzes Leben mit Geigen und mit Orchester gehört hat, in den Vordergrund treten und wirklich eine ganz andere Tür aufgemacht haben. Und ganz viele Bachliebhaber haben uns gesagt: Das ist echt mal 'ne ganz neue Sicht auf Bach."

Die Auswahl der Stücke haben SLIXS gemeinsam getroffen, viele der Goldberg-Variationen sind dabei, aber auch Sätze aus Violinkonzerten und sogar die Fuge aus Bachs "Musikalischem Opfer". Mit Präludium und Fuge c-Moll, BWV 549 probieren die fünf Klangartisten auch den Orgelklang. Und brechen mit dem Schlussakkord aus der Klassik wieder aus.

Ulrike Jährling, kulturradio