Ravel / Duparc: "Aimer et mourir" © Linn Records
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CD DER WOCHE | 10. - 16.09.2018 - Ravel / Duparc: "Aimer et mourir"

Unter der Leitung seines Chefdirigenten Robin Ticciati hat das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin sinfonische Tänze von Maurice Ravel und Orchesterlieder von Henri Duparc aufgenommen - Teil 2 einer "französischen Trilogie".

Robin Ticciati kann nicht genau sagen, woher seine Liebe zur französischen Musik kommt, "aber wenn dort diese alten, oft erotischen oder esoterischen Stoffe aus der Antike mit modernen Harmonien erzählt werden, das fasziniert mich einfach", erzählt der 1983 in London geborene Chefdirigent.

Daphnis et Chloé

Die "antiken Geschichten", die Robin Ticciati so faszinieren - eine davon ist "Daphnis et Chloé". 1912 hat Maurice Ravel die beiden Liebenden mit seiner Ballettmusik aus der Antike in die Neuzeit geholt. Robin Ticciati stellt diese Musik an den Anfang des Albums, auf dem bei "Lever de jour" buchstäblich die Sonne aufgeht und wohlige klangliche Wärme entsteht.

Temperatur

"Temperatur", erzählt Robin Ticciati, sei für ihn überhaupt ein wichtiger Begriff, um dem Orchester seine Klangvorstellung zu vermitteln. "Wenn man bei Ravel in die Noten schaut, sieht man dort diese ganzen Details - Crescendi und Diminuendi, Akzente und Pianissimi - die Partitur ist voll davon. Gleichzeitig wird man von einer grossen Geste umarmt, erlebt einen langen Sonnenaufgang. Beides muss man sehen und herausarbeiten."

Malerei

Zwischen Aquarell und Ölgemälde, mit feinem Strich aber auch mit kräftigem Pinsel - wie ein Maler im Atelier - arbeitet Ticciati im Konzertsaal mit dem Orchester die impressionistischen Klanggebilde heraus. Auf die zarte Schönheit von "Daphnis et Chloé" lässt er kräftige Paukenschläge folgen - wenn das Album mit den "Valses nobles et sentimales" ein zweites großes Werk von Maurice Ravel präsentiert.

Leben und Sterben

Lieben und sterben, "Aimer et mourir", dieses  Leitmotiv des Albums - die "Tristan-Thematik", wie Robin Ticciati es nennt -  findet sich besonders in den vier Liedern von Henri Duparc.  Der Dirigent hat die um 1880 entstandenen Lieder in der Mitte des Albums angeordnet. Dort sorgt die Mezzosopranistin Magedalena Kozena mit Duparcs "Chanson Triste" für einen Höhepunkt der CD: "Magdalena behandelt ihre Stimme wie ein Instrument  und ich versuche, das Orchester wie eine Stimme klingen zu lassen, da überkreuzen sich die Welten"

Vollendete Schönheit

Die Klangwelten zusammenbringen, unterschiedliche Künste wie Musik, Malerei, und Tanz in vollendeter Schönheit miteinander vereinen - mit dieser ganzheitlichen Sicht ist Robin Ticciati in seinem ersten Jahr in Berlin ein hervorragender Auftakt für die Zusammenarbeit mit dem DSO gelungen.  Und die "französische Trilogie" endet zum Glück erst im nächsten Frühjahr, mit einem dritten Album, auf dem dann das "Requiem" von Maurice Duruflé und die drei "Nocturnes" von Claude Debussy zu hören sein werden.

Hans Ackermann, kulturradio