Seong-Jin Cho: Mozart
Bild: Deutsche Grammophon

CD DER WOCHE | 18.02. - 23.02.2019 - Seong-Jin Cho | Yannick Nézet-Séguin: "Mozart"

Der koreanische Pianist Seong-Jin Cho hat 2015 in Warschau den Internationalen Chopin-Wettbewerb gewonnen. Seitdem zählt er in der Klavierwelt zu den besten jungen Pianisten. Auf seiner neuen CD spielt der Wahl-Berliner das Klavierkonzert in d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, dazu die beiden Sonaten Nr. 3 und Nr. 12.

Mozarts Musik kommt "vom Himmel" zu uns herunter, sagt Seong-Jin Cho, Beethovens Musik dagegen strebe zum Himmel hinauf. Schöner kann man die beiden Komponisten im philosophischen Gedankenspiel und auch auf der CD nicht zusammenbringen. Dort hat Seong-Jin Cho für seine große Solostelle im Konzert von Mozart natürlich die Beethoven-Kadenz gewählt. Und so klingt die Musik des Salzburger Komponisten plötzlich wie eine Sonate von Ludwig van Beethoven.

Seong-Jin-Cho
Bild: Hans Ackermann

Wettbewerbe

Mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 hat Seong-Jin Cho schon beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb den dritten Platz belegt, einige Jahre vor seinem Sieg beim Warschauer Chopin-Wettbewerb im Jahr 2015. Diese Erfolge haben dem 24 Jahre alten Musiker die Türen zu einer internationalen Karriere geöffnet – fast ein bisschen gegen seinen Willen:

"Ich hasse Wettbewerbe, denn Musikmachen ist ja kein sportlicher Vergleich. Man kann Fernsehgeräte oder Mobitelefone vergleichen, aber nicht Musiker! Jeder hat eine andere Persönlichkeit und interpretiert die Musik anders. Das ist eigentlich nicht vergleichbar. Doch für eine Karriere in Europa muss man bei diesen Wettbewerben mitmachen und die Möglichkeiten nutzen."

Gefühle

"Mozarts Gefühlswelt ist sehr vielschichtig", sagt Seong-Jin Cho. Diese tief empfundenen Gefühle aus dem Herzen, mit den Händen auf die Tastatur und wieder in die Herzen der Zuhörer zu bringen – mit dem eher "technischen" Klavier sei das eine ganz besondere Herausforderung. Seong-Jin Cho beherrscht die Mechanik des modernen Flügels perfekt, hütet sich aber vor den Gefahren einer allzu perfekten Tonerzeugung. Lieber lässt er sein Instrument im Rondo der Sonate Nr. 3 auch mal rauh und ruppig klingen.

Verwandtschaft

Die beiden Sonaten in F-Dur und B-Dur, dazu das Konzert in d-Moll – diese enge Verwandtschaft der drei Tonarten führt auf dem Album zu größter klanglicher Geschlossenheit. In die hinein fügt sich auch das hervorragende Chamber Orchestra of Europe, geleitet von Yannick Nézet-Séguin. Diesen Dirigenten hat sich Seong-Jin Cho gewünscht, nachdem er ihn in Baden-Baden mit einer Oper von Mozart erlebt hat:

"Er hat damals mit dem Chamber Orchestra of Europe Mozarts 'La Clemenza di Tito' aufgeführt. Ich war so beeindruckt von seinen Fähigkeiten als Operndirigent und habe mir dann für "meinen" Mozart genau diesen Begleiter gewünscht. Denn auch dieses Klavierkonzert ist sehr opernhaft – und wir werden dort fast zu Sängern !"

Genius

Das d-Moll-Klavierkonzert, meint Seong-Jin Cho, sei im langsamen Satz eine "Arie ohne Worte". Mit diesem Wissen, mit seinem singenden und atmenden Klavierspiel, ist ihm eine der schönsten Mozart-Einspielungen der letzten Zeit gelungen. "Genial" will Seong-Jin Cho deshalb aber nicht genannt werden. Er habe natürlich Talent, müsse aber, wie alle anderen auch, jeden Tag üben – "drei bis vier Stunden".

Hans Ackermann, kulturradio