"Sophie Pacini: In Between"; Montage: rbb
Bild: Warner

CD DER WOCHE | 14.05.–20.05.2018 - Sophie Pacini: "In Between"

Die junge deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini war noch ein Teenager, da ergriff sie die Gelegenheit, Martha Argerich vorzuspielen. Die zeigte sich von ihrem Spiel in hohem Maß beeindruckt – und ist seitdem ihre Freundin und Förderin geworden.

Sophie Pacini ist heute 26. Sie hat mehrere Auszeichungen bekommen, hat einen Exklusivvertrag mit einem bedeutenden Plattenlabel und: soeben ist ihre vierte Solo-CD erschienen: "Sophie Pacini - In Between - Schumann und Mendelssohn".

Die CD beginnt mit einem Liebeslied: Der "Widmung" von Robert Schumann an seine Frau Clara - in der Klavierfassung von Franz Liszt. Sophie Pacini hat das Werk nicht ohne Grund gewählt: Die Widmung sei Robert Schumanns Hymne an Clara.

"Wenn ich als Frau so eine Widmung bekommen würde, dann weiß ich, dass für den Moment alles gesagt ist." So Pacini.

Clara und Fanny als Inspirationsquellen

Es geht um Liebe auf der CD. Vor allem aber auch um die Beziehungen verschiedener Personen zueinander: Felix Mendelssohn Bartholdy zu seiner Schwester Fanny, Robert Schumann zu seiner Frau Clara. Beide Frauen haben selber komponiert. Beide haben die Männer unterstützt, aber auch beeinflusst. Auf der CD zu hören zum Beispiel im "Scherzo" von Clara Schumann.

Man höre darin, so Sophie Pacini, "dass Clara Schumann ihren Mann in Sachen Seelentiefe und auch Facettenreichtum komplettiert hat. Das zieht sich durch die ganze Werkauswahl, die ich von Robert Schumann gewählt habe. Und wenn man mich fragen würde: Wie würdest du Clara Schumann beschreiben, dann würde ich sagen: Hör dir das Scherzo von ihr an."

Und dann wiederum, die Fantasiestücke von Robert Schumann. Zum Beispiel das Stückchen "In der Nacht": "Da wird man merken, dass man im dem Werk 'In der Nacht' eindeutig Zitate im Sinne von einfach dieser Seelenanrührung finden kann."

Lieder ohne Worte

Von Fanny Hensel hat Sophie Pacini ein Lied ohne Worte gewählt. Denn obwohl Felix Mendelssohn für seine "Lieder ohne Worte" bekannt ist, sei es Fanny, die Schwester, gewesen, die den Begriff geprägt habe: Als sie ihrem Bruder einige von ihr verfasste Klavierstücke zukommen ließ, gefiel die ihm besonders eines in G-Dur so gut, dass er ein ganz ähnliches Stück komponierte. Er veröffentlichte es zusammen mit anderen Stücken unter dem Titel "Lieder ohne Worte". Auch Fanny Hensel veröffentlichte ihr Lied – allerdings erst Jahre später, unter dem etwas abgewandelten Titel "Lied für das Pianoforte, op. 2 No.1".

"Bei der Einstudierung von diesem Lied", erzählt Sophie Pacini, "habe ich nochmal mehr reingespürt in diese langen Spannungsbögen und in diese große Phrase, die sich in verschiedene kleinere einteilt, und das hat mir für die 'Variations sérieuses' eine ganz andere Welt eröffnet." Die "Variations sérieuses" wiederum stammen von Felix Mendessohn.

Sophie Pacini im kulturradio-Studio; © Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Variationen mit Glockengeläut

Sophie Pacini erinnert sich an die Einspielung: "Ich werde es nie vergessen: bei den Variationen, da gab's einen Moment – und zwar haben wir in Neumarkt im Reitstadel aufgenommen, und da gibt es daneben eine Kirche, und die hat uns fast zum Wahnsinn getrieben. Denn als wir dieses Werk aufgenommen haben, da läutete die alle Viertelstunden. Dieses Werk dauert elf Minuten, also du schaffst es gerade, das durchzuspielen. Aber einmal habe ich offenbar den Zyklus nicht ganz erwischt, und beim letzten Ton dieses Dur-Chorals, da läuteten die Glocken. Und das war fast unheimlich, muss ich sagen. Das trage ich in mir, wann immer ich diese Variation spiele: Ich hab das Gefühl, Mendelssohn hat mir auf die Schulter geklopft."

Interessant inszenierte Werke, virtuos gespielt

In den "Variations sérieuses" zeigt die Pianistin ihre technische Brillanz. Gesteigert noch von der Toccata in C-Dur von Robert Schumann. Schumann selbst hielt seine Toccata für das schwierigste Klavierstück, das bis dahin geschrieben wurde. Sophie Pacini meistert sie trotzdem. Sie behauptet sich in ihrem Album als Interpretin deutscher Romantik – und stellt die Werke in kluge und interessante Beziehung zueinander.

Antje Bonhage, kulturradio