Daniel Röhn: The Golden Violin
Berlin Classics
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CD DER WOCHE | 11.02. - 16.02.2019 - Daniel Röhn: "The Golden Violin"

Der Geiger Daniel Röhn hat ein Faible für die Musik der "Goldenen Zwanziger". Auf seiner CD "The Golden Violin" spielt er Musik zu Stummfilmen von Fritz Lang und Charlie Chaplin, Theatermusik von Kurt Weill und kurze Stücke von George Gershwin über Josef Suk bis Friedrich Holländer.

Unbekannt statt weltberühmt

Als Daniel Röhn den Stummfilm "Metropolis" zum ersten Mal gesehen hat, war er nicht nur von den bewegten Bildern völlig begeistert. Auch die Musik zum Film hat ihn sofort fasziniert. Sie klingt für ihn wie eine Mischung aus Richard Wagner und Richard Strauss. Komponiert hat sie allerdings Gottfried Hupertz, dessen Namen heutzutage kaum einer kennt. Laut Daniel Röhn hätte Huppertz es aber eigentlich verdient, weltberühmt zu sein.

Schon das Zwanziger-Jahre-Outfit von Daniel Röhn verrät, wie sehr er sich mit dieser Zeit identifiziert. Und wenn er über die Musik der "Goldenen Zwanziger" spricht, dann fallen oft Wörter wie "genial", "unglaublich", "phänomenal". Die kurzen Stücke, die er für seine CD ausgewählt hat, sind für ihn "Drei-Minuten-Juwelen" und der Unterhaltungsmusik der Zwanziger bescheinigt er eine "unglaublich hohe Qualität". Schließlich habe es "viel von dem Repertoire aus dieser Zeit, aus diesem Bereich es geschafft hat, heute einen selbstverständlichen Platz in der klassischen Musik einzunehmen. Und das hat's danach eigentlich so nicht mehr gegeben." (Röhn)

Hemmungslos seufzen und schmachten

Das Opulente, das Süffige dieser Musik liegt Daniel Röhn. Da ist er ganz in seinem Element, lässt seine Geige, gebaut im 18. Jahrhundert von dem Neapolitaner Januarius Gagliano, seufzen und schmachten. Daniel Röhn: "Da muss man natürlich in anderer Weise als bei einer Mozart-Sonate die Sau rauslassen. Da muss man einen gewissen Schweinehund überwinden […] einen Sinn haben für diese Art von Musik und natürlich auch den Willen, das dann durchzusetzen: diese, ich sage mal vorsichtig, Hemmungslosigkeit, die diese Musik ja sehr gut verträgt und sich auch in gewisser Weise wünscht."

Jascha Heifetz als Vorbild

Zwischen die schwelgenden und swingenden Melodien hat Daniel Röhn ein hochvirtuoses Bravourstück gepackt, bei dem er seine brillante Spieltechnik zeigen kann: Moto Perpetuo von dem amerikanischen Geiger Cecil Burleigh.

Das hat auch der Jahrhundertgeiger Jascha Heifetz gespielt; er ist das große Vorbild für Daniel Röhn. Heifetz‘ Ton sei zum Niederknien, sagt Daniel Röhn. Und das jazzige Repertoire á la Heifetz hat er immer mal in seine Violin-Abende eingebaut. Aber diese Stücke jetzt mit Orchester zu spielen, sei dann natürlich noch mal "eine andere Nummer" (Röhn).

Juwelen zum Funkeln bringen

Daniel Röhn wird vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn begleitet. Dass Case Scaglione am Dirigentenpult steht, ist ein Glücksfall. Als US-Amerikaner sei er mit swingender Musik von Gershwin und Co gewissermaßen getauft worden. Amerikanischer Groove gepaart mit deutschem Sound bringt die Drei-Minuten-Juwelen zum Funkeln.

Imke Griebsch, kulturradio