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CD DER WOCHE | 06.08.–12.08.2018 - "Toys for Two – From Dowland to California"

Harfe und Laute – eine ungewöhnliche Kombination. Für zwei Experten der Alten Musik ist sie eine besonders reizvolle. Die beiden haben auf ihrer neuen CD Schätze der Renaissance-Musik gehoben und sie mit Songs von Led Zeppelin kombiniert.

Harfe und Laute – eine ungewöhnliche Kombination. Für die Harfenistin Margret Köll, Wahl-Berlinerin mit österreichischen Wurzeln und Professorin an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" und den Schweizer Lautenisten Luca Pianca, Harnoncourt-Schüler und Mitbegründer von Il Giardino Armonico, ist sie eine besonders reizvolle und eine oft praktizierte: Seit 2005 musizieren sie gemeinsam und haben nun ihre zweite gemeinsame CD vorgelegt.

Das "goldene Zeitalter der Laute" und die keltischen Wurzeln

Dafür haben sie sich in die musikalische Welt am Hofe Elisabeths I. begeben. Während ihrer Regentschaft entwickelte sich die Laute zum beliebtesten Instrument der adligen Kreise. Die Königin  holte die besten Lautenisten an ihren Hof. Zu Recht wird diese Epoche rückblickend als "das goldene Zeitalter der Laute" bezeichnet.

Köll und Pianca haben Werke für ein oder zwei Lauten, die in dieser Epoche entstanden sind, für ihre Besetzung bearbeitet. Ausgewählt haben sie vor allem Stücke, die Bezüge zu keltischen Volksmelodien aufweisen. Man mag meinen, die adlige Gesellschaft habe damals gut abgeschottet vom Rest des Volkes seine Zeit hinter den Schlossmauern verbracht und die Zeit mit zartem Lautenspiel totgeschlagen. Für die Hofmusiker traf das nicht zu.  Sie kannten offensichtlich die populären Melodien, die in der Bevölkerung kursierten und arrangierten Gassenhauer oder verwendeten Versatzstücke davon in eigenen Werken. Und sie waren auch vertraut mit der Harfe, dem Nationalinstrument im benachbarten Irland.

Harfe trifft Laute

Für Köll und Pianca ein triftiger Grund, Laute und Harfe zu kombinieren und Lautenwerke für die Harfe einzurichten. Das war gar nicht so kompliziert, wie sich schnell herausstellte. Margret Köll konnte ohne Änderungen oder Arrangements die Lautennoten eins zu eins spielen. Sie hat sich für diese Aufnahme für eine keltische Tripleharfe entschieden, einen Nachbau der Barberini-Harfe, die im Museo degli Strumenti Musicali in Rom ausgestellt ist und die größte und einzige vollständig erhaltene Barocktripleharfe ist. Die von Luca Pianca verwendete Erzlaute überzeugt mit volltönenden Bässen und klar umrissenen Höhen. Das offene, volle und klare Klangbild der Harfe mischt sich so gut mit dem Lautenklang, dass man oft genau hinhören muss, um beide Instrumente auseinanderzuhalten.

Gelungene Zeitreise

Begibt man sich in die musikalischen Welten der englischen Renaissance, dürfen Werke von Dowland natürlich nicht fehlen. Er hat wie kein anderer das Lebensgefühl der Adligen musikalisch eingefangen. Seine melancholisch anmutenden und immer von aristokratischer Contenance geprägten Werke sind Höhepunkte der Lauten-Literatur und haben dem Instrument den Status eines vollwertigen Soloinstruments verliehen. Flankiert werden diese Kleinodien des "Goldenen Zeitalters" von Werken von Thomas Robinson, Matthew Locke oder Anthony Holborne – jeder von ihnen ein Schwergewicht der englischen Renaissance-Musik.

Und neben den Namen all dieser Altmeister findet sich der einer ganz anderen Epoche: Jimmy Page, Gründer und E-Gitarrist der Band Led Zeppelin. In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren hat er, inspiriert unter anderem von Bert Jansch, Folksongs für akustische Gitarre arrangiert. Luca Pianca hat diese Songs mit wenigen Handgriffen für Harfe und Laute, die beiden typischsten Instrumente der Renaissance, arrangiert. Dass diese Bearbeitungen sich trefflich mit den Lautenwerken aus der Renaissance mischen, überrascht. Pianca und Köll interpretieren sie mit großer Lust und Spielfreude, geben sich diesen Harmonien genauso aufgeschlossen hin wie den aristokratischen von Dowland und seinen Zeitgenossen.

Und gerade durch die Mischung der Epochen werden die darunterliegenden gemeinsamen keltischen Wurzeln umso deutlicher hörbar, wird die höfische Musik nahbarer und Jimmy Pages Songs ursprünglicher. Diese CD kann man von Anfang bis Ende durchhören – mehr davon!

Silke Mannteufel, kulturradio