Fauré © la dolce volta
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CD DER WOCHE | 27.12. - 31.12.2017 - "Fauré"

Gabriel Fauré gehört zu den großen französischen Komponisten. Dennoch werden seine Werke viel seltener gespielt als die seiner Landsmänner und Zeitgenossen: Camille Saint-Saëns, Maurice Ravel, Claude Debussy.

Es sei mit Gabriel Fauré wie mit Marcel Proust, sagt der französische Pianist Philippe Cassard: Jeder kenne Prousts Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", aber kaum jemand habe ihn gelesen. Auch den Namen Fauré habe jeder schon gehört, aber nur wenige kennen seine Musik. Die CD, die Philippe Cassard jetzt herausgebracht hat, beinhaltet ausschließlich Werke von Fauré. Allein durch die Tatsache, dass es sie gibt, ist sie eine Bereicherung.

Die Ballade für Klavier und Orchester: poetisch und sinnlich

Die Ballade in Fis-Dur hatte Fauré ursprünglich für Klavier Solo geschrieben. Sie ist das erste Stück auf der CD. Philippe Cassard hat sich in dem Album für die Version für Klavier und Orchester entschieden – ganz einfach deshalb, weil ihm die Version mit Orchester besser gefalle, sagt Philippe Cassard.

"Ich habe die Ballade für Klavier solo früher sehr oft gespielt. Sie ist sehr schön, aber ich finde, durch das Orchester wird das Stück noch feiner und noch sinnlicher. Es kommt Fauré noch näher."

Fauré selbst hat die Fassung für Orchester übrigens bereits kurz nach der Klavierversion geschrieben. Er hat die Ballade seinem von ihm sehr geschätzten Lehrer Camille Saint-Saëns gewidmet. Einen Einfluss von Saint-Saëns hört man in dem Werk jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Klaviermusik von Saint-Saëns orientiert sich streng an klassischen Formen. Faurés Ballade hingegen ist freier. Außerordentlich poetisch. Man merkt vielmehr einen Einfluss von Chopin.

"Die Ballade steht in Fis-Dur",
erzählt Philippe Cassard und fügt hinzu: "Für uns Pianisten bedeutet das, dass wir unheimlich viel auf den schwarzen Tasten spielen müssen. Das ist bei Chopin auch oft so. Ich finde, das zeigt, wie sinnlich Fauré mit dem Instrument umgeht: man streichelt das Klavier vielmehr, als streng zu artikulieren."  

Das Nocturne Nr. 11: zutiefst melancholisch

Der Ballade folgen unter anderem drei Nocturnes. Darunter das Nocturne Nr.11 in fis-Moll. Auch dieses Stück ist voll lyrischer Eleganz. Es hat etwas Zartes und zugleich Kraftvolles. Etwas zutiefst Melancholisches. Philippe Cassard bringt die Dramatik, die in diesem kurzen Werk steckt, einfühlsam zum Ausdruck – und das, ohne auch nur im Geringsten kitschig zu sein.

Wenige Jahre vor seinem Tod schrieb Gabriel Fauré seine Fantasie für Klavier und Orchester. Es ist das letzte Stück auf der CD. Die späte Fantasie und die frühe Ballade sind die beiden einzigen Werke, die Fauré für Klavier und Orchester geschrieben hat.

Die Fantasie: leidenschaftlich, kühn und voller Energie

Fauré war, als er die Fantasie mit Ende siebzig schrieb, bereits vom Alter gezeichnet, und er war nahezu taub. Man spürt die Last des Alters in der Musik. Zugleich ist das Stück voller Lebenslust und voller Energie.

Für Cassard ist bemerkenswert,"dass Fauré seine verrücktesten und kühnsten und leidenschaftlichsten Seiten für seine Fantasie aufgespart hat und sie erst als alter Mann zum Ausdruck bringt, am Ende seines Lebens."

Die CD präsentiert einen facettenreichen Fauré

Philippe Cassard gelingt es, auf der CD einen facettenreihen Fauré zu zeigen. Er bricht mit dem Bild des affektierten Komponisten mit den kleinen hübschen Melodien, das Fauré vor allem in Frankreich anhaftet.

Natürlich gebe es die auch, sagt Philippe Cassard, diese kleinen intimen Melodiechen: in einigen Nocturnes, in einigen Barcarolles. Das könne man nicht leugnen.

Eine Musik voller Gewürze – für die man Größe braucht

Cassard ist überzeugt: "Fauré ist nicht der für die alten Damen, die mit abgespreiztem kleinen Finger an ihrer Teetasse nippen."

Für ihn hat der Komponist ganz und gar nichts Süßliches.

"Ich finde Faurés Musik ist voller Gewürze, da ist Pfeffer drin und Estragon und Salz. Man kann Fauré nicht mit kleinem Stimmchen singen. Man muss seine Musik groß angehen."

Antje Bonhage, kulturradio