…les préludes sont des images – Debussy © Ars Produktion
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CD DER WOCHE | 30.04. – 06.05.2018 - "… les préludes sont des images – Debussy"

Mario Häring ist ein junger Pianist, der in den letzten Jahren geradezu erste Preise gesammelt hat. 16 Stück hat er davon bei internationalen Wettbewerben erspielt. Auf seiner zweiten Solo-CD hat er drei Klavierzyklen von Claude Debussy eingespielt und gibt sich ganz dem Moment hin.

Claude Debussy hat für seine Préludes fantastische Titel gefunden: etwa "Das Mädchen mit dem flachsfarbenen Haar" oder "Die versunkene Kathedrale". In Klammern hat er diese Titel ans Ende der Noten gesetzt, wie kleine Bildunterschriften in einer Galerie. Mario Häring macht sie sogar noch ein bisschen kleiner, indem er dem "Staunen oder Träumen" nachgeht, ohne von vornherein ein konkretes Bild im Kopf zu haben.

Bechsteins Bässe

Aufgewachsen ist Mario Häring in Berlin, in einer deutsch-japanischen Musikerfamilie. Nun wohnt er in Hannover, wo er auch bei Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt studiert hat. Für die CD-Aufnahme hat er einen neuen Flügel von Bechstein ausgewählt. Auch Debussy bevorzugte die Instrumente dieser Marke. Mario Häring haben in diesem Fall besonders die Bässe gefallen: "Man hat wirklich noch den Ton gehört, den der Bass darstellen sollte und nicht einfach nur ein tiefes Brummen."

Stimmungswechsel

Die drei Zyklen auf der CD stammen aus den Jahren 1905 bis 1910 und zeigen Debussy von ganz verschiedenen Seiten. Mario Häring unterscheidet das klar in seinem Spiel: Die "Préludes" wirken fast improvisiert wie momenthafte Eingebungen. Im zweiten Heft der "Images" entfalten sich herbe, modern anmutende Klänge. Und die Miniaturen von "Children’s Corner" verbinden Ironie mit Kindheitserinnerungen. Mario Häring gelingt das Kunststück, nicht zu viel in die Stücke hineinzulegen, sondern sie ohne Druck fließen oder glitzern zu lassen.

Traumwandlerisch

Mario Häring interpretiert Debussy mit einer Beweglichkeit, die mit jeder Wendung neu berührt. Seine traumwandlerische Sicherheit nimmt der Pianist auch daher, dass er sich besonders zu Hause fühlt bei Debussy. In dessen fernöstlichen Tonleitern und Rhythmen hört er auch die Klänge aus seiner zweiten Heimat Japan.

Dirk Hühner, kulturradio