Di 27.03.2018 - Sexistische Fassade?

Der Schriftsteller Eugen Gomringer hadert nach wie vor mit der geplanten Entfernung seines angeblich sexistischen Gedichts von der Fassade einer Berliner Hochschule.

"Ich habe die ganze Debatte nicht verstanden", sagte der 93-Jährige am Montag bei einer Podiumsdiskussion mit den verantwortlichen Hochschulvertretern in Berlin. "Es geht nicht um die Frage, was kann und was darf Kunst. In dem Fall geht es um die Frage: Was darf Kunst nicht? Die Schule sagt, was Kunst nicht darf."

Nach einer langen und teils erbittert geführten öffentlichen Diskussion hatte das Hochschulparlament daraufhin im Januar beschlossen, das Gedicht bei einer Fassadenrenovierung im Herbst zu übermalen. Künftig soll alle fünf Jahre das Werk eines neuen Poetik-Preisträgers auf die Wand kommen.

Die Prorektorin der Hochschule, Bettina Völter, verteidigte die Entscheidung, räumte aber auch Fehler ein. So sei Gomringer erst spät über die Diskussion informiert worden. "Eigentlich ist nichts Schlimmes passiert, außer dass sich Wissenschaft und Kunst reiben", sagte sie.

Die Sprecherin der Studentenvertretung entschuldigte sich bei dem Autor für den "Tsunami" an Reaktionen, den die Debatte auslöste. "Es tut mir leid, was Sie erlebt haben. Es tut mir aber auch leid, was wir erlebt haben", sagte sie. Die junge Frau ließ sich auf dem Podium unter dem Pseudonym Roth vorstellen, nachdem es in den sozialen Medien eine Flut von Beschimpfungen gegeben hatte.