Mo 02.07.2018 - Rheinsberg hat einen neuen Stadtschreiber

Der tschechisch-deutsche Schriftsteller Jan Faktor wohnt als 48. Stadtschreiber bis Ende November in der Stadtschreiberwohnung.

Faktor folgt der Potsdamer Autorin Grit Poppe, die zwischen Februar und Juni das Amt innehatte. Der 66-Jährige wurde 1951 in Prag geboren. Seine Mutter und Großmutter waren Holocaust-Überlebende. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings lebte er zunächst in der Hohen Tatra und arbeitete später an einem Prager Rechenzentrum. 1978 zog er mit seiner Ehefrau Annette Simon, einer Tochter Christa Wolfs, nach Ostberlin, wo er als Schlosser und Kindergärtner arbeitete.

Jan Faktor engagierte sich in der Untergrund-Literaturszene und war 1989 Mitarbeiter des Rundbriefs des Neuen Forum. Sein Roman "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" wurde 2010 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und gelangte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Das Museum vergibt jährlich an zwei Autorinnen bzw. Autoren das jeweils mit 5.000 Euro dotierte Stipendium. In einer Wohnung mit Blick auf den Schlosspark sollen sie Inspiration und Ruhe zum Schreiben finden, wie es heißt. Die museumseigene Edition "Rheinsberger Bogen" stellt in Erstveröffentlichungen ihre Texte vor. Unter den früheren Rheinsberger Stadtschreibern waren Volker Braun, Wolfgang Hilbig, Peter Brasch, Katja Lange-Müller, Wiglaf Droste, Marion Poschmann und Marion Brasch.