Sommerserie

Postkarten auf einem Ständer, Mallorca; Foto: © imago stock&people

Literarische Ansichtskarten

Die Kunst des Postkartenschreibens scheint fast ausgestorben. Doch im Sommerurlaub werden manchmal doch noch einige Menschen nostalgisch. Sie gehen zu einem der kleinen Kioske in ihrem Urlaubsörtchen, drehen den Kartenständer bedächtig hin und her, wählen "Sonnenuntergang mit Felsen" und "Bergziege am Hang". Dann lassen sie sich ungewohnte Briefmarken geben und setzen mit einem der wenigen verbleibenden Kugelschreiber zum Schreiben an.

Wir haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller gebeten, für uns eine solche schöne Urlaubskarte zu schreiben.

Grafitti - "Sozialistische Republik Potsdamer Platz" - vor Wohnhäusern und Fernsehturm in Berlin; © imago/ecomedia/robert fishman
imago/ecomedia/robert fishman

- Daniel Goetsch: "Nur zur Erinnerung"

"Auf der anderen Flußseite in der Ferne ragen Hunderte von Baukränen auf. Davor steht bockig ein Dom mit geschwärzter Fassade, und gleich daneben ein Stahlungetüm, das sie als Palast bezeichnen."

Der Würgefeigenbaum vom Lago Maggiore © Katja Lange-Müller
Katja Lange-Müller

- Katja Lange-Müller: Der Würgefeigenbaum vom Lago Maggiore

"Nun weiß ich, wissen wir, auch Landschaften, selbst die schönsten der Welt, sind nicht so friedlich wie es scheint."

Parkbänke im Abe Lebewohl Park, New York City; © Naomi Schenck
Naomi Schenck

- Naomi Schenck: Greetings from New York

Drei mexikanische Bauarbeiter in neonleuchtenden Schutzwesten mümmeln an ihren mitgebrachten Lunchpaketen herum. Die einzige freie Bank liegt in der prallen Sonne, aber da ich mir vorgenommen hatte, Dir von diesem Platz aus zu schreiben, bleibt mir keine andere Wahl.

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"Die Menschen hier sind alle alt und sehr freundlich, zumindest brüllen sie einen nicht an, wenn man ihnen einen 'Guten Morgen' wünscht."

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Du würdest unten wohnen und ich oben, wir würden unsere Schreibtische an die Fenster stellen, tagsüber schreiben und abends für alle kochen, wir würden Feste feiern und Lichterketten in die Bäume hängen.

Wiesen und vereinzelte Bäume prägen am 12.06.2017 die Landschaft des Odervorlandes in Brandenburg. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
dpa/Patrick Pleul

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"Wärest du bei mir, Daphne, müsstest du dich nicht in einen Lorbeerbaum verwandeln. Wir würden hier im Garten unterm Kirschbaum sitzen, uns einen Hasen braten und apollinische Witze erzählen."

Sonnenuntergang auf La Gomera; © Thomas Gsella
Thomas Gsella

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Wo bleibt der Zucker namens "Alles Gute"? Wo die Banane der Marke "Kopf hoch!"? Viel wird geschimpft über den Niedergang verbindlicher Moralsysteme, und nichts spräche daher gegen einen Tequila namens "Liebe Deinen Nächsten"!