Bauhaus Dessau, Meisterhäuser © Doreen Ritzau/Stiftung Bauhaus Dessau
Bild: Doreen Ritzau/Stiftung Bauhaus Dessau

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet - Wir alle müssen zum Handwerk zurück!

Schnörkellos und funktional – so wirkt noch heute das, was unter dem großen Stichwort Bauhaus firmiert. Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet und eckte im wahrsten Sinne des Wortes an.

Nicht mehr die industriell formbaren architektonischen Erinnerungen an vergangene Zeiten sollten fortan die Bilder von Häusern und Städten bestimmen, sondern die Rückbesinnung auf das Handwerk. Im Bauhaus-Manifest, das maßgeblich von Walter Gropius formuliert wurde, wird das Ziel der neuen Bewegung klar umrissen: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […] Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! […] Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers."

Die Form eines Baus, eines Kunstwerkes, ja sogar der Musik, sollte ihrer Funktion folgen. Das Prinzip der durchdachten Einfachheit sollte schlicht über der "reinen" Verkünstelung stehen, die zur Gründerzeit ihre Ranken getrieben hatte. Revolutionär? Ja, so wurde das damals verstanden. Die neue Bewegung galt als links und internationalistisch, wurde von den erstarkenden rechten Bewegungen der Weimarer Zeit bekämpft.

Bauhaus Dessau, Zimmer im Ateliergebäude © Willmington-Lu, Yakob Israel
Zimmer im Ateliergebäude, Bauhaus Dessau | Bild: Willmington-Lu, Yakob Israel

Weimar - Dessau - Berlin

Im April 1919 in Weimar gegründet, verstand sich das Bauhaus als "Gesamtkunstwerk", als Einheit von der Idee bis zur Umsetzung, Keiner sollte sich etwas ausdenken, was andere umsetzen mussten. Handwerker und Künstler arbeiteten zusammen und gleichberechtigt in den Werkstätten. Weimar war Aufbruch, Ausprobieren, Aufnehmen auch anderer Ideen - wie die des Expressionismus oder der Lebensreform-Bewegung.

1925 zog das Bauhaus nach Dessau um. Marcel Breuer erfand hier seine berühmten Stahlrohrsessel. 1926 wurde das von Gropius entworfene Bauhausgebäude mit den "Meisterhäusern" eingeweiht. Das Bauhaus konzentrierte sich fortan mehr auf Architektur, Häuser sollten entstehen für "Volksbedarf statt Luxusbedarf", wie es der seit 1928 amtierende Direktor Hannes Meyer forderte. Mit dem Erstarken der NSDAP gerieten die Ideen der Bauhäusler zunehmend unter Druck. 1932 musste das Bauhaus in Dessau schließen und löste sich nach kurzem Intermezzo in Berlin-Lankwitz 1933 ganz auf.

"Prellerhaus", Ateliergebäude Bauhaus Dessau © Yvonne Tenschert/ Stiftung Bauhaus Dessau
Prellerhaus, Ateliergebäude des Bauhauses Dessau | Bild: Yvonne Tenschert/ Stiftung Bauhaus Dessau

Eine Idee geht um die Welt

Die Bauhaus-Diaspora war durchaus fruchtbar. In Tel Aviv entstand die "Weiße Stadt" mit mehr als 4.000 Gebäuden. Sie steht seit 2003 unter Denkmalschutz, wie auch die meisten anderen dieser Epoche zuzurechnenden Häuser und Wirkungsstätten. Auch in den USA gehörte das Neue Bauen etwa in den Neuengland-Staaten zum Schick der 50er, 60er Jahre.

Bis heute steht das Bauhaus für funktionales Design und eine Kultur der Sachlichkeit in der Formensprache. Die Ideen für kostengünstiges Konstruieren, modulares Architekturdenken und ein am "Volksbedarf" orientiertes Städtebauen sind heute durchaus wieder gefragt.

Das Bauhaus-Jubiläum im kulturradio

100 Jahre Bauhaus im kulturradio: Wir blicken nach Amerika, wohin Gropius und andere Bauhäusler auswanderten. Wir untersuchen das Verhältnis der Bauhaus-Männer zu den Bauhaus-Frauen, die sich nicht einfach nur in die Textilwerkstatt abkommandieren lassen wollten. Wir beleuchten die Entstehung des deutschlandweiten Kulturevents "bauhaus 100" und folgen den Spuren, welche die Moderne in Deutschland hinterlassen hat.
Viel Stoff zum Erzählen. Handwerklich gut gemacht. In bester Bauhaus-kulturradio-Tradition.

Jürgen Gressel-Hichert, kulturradio