Lizzie Wilcock: Brennender Drust; Montage: rbb
Beltz & Gelberg
Bild: Beltz & Gelberg Download (mp3, 5 MB)

Ab 12 Jahren - Lizzie Wilcock: "Brennender Durst"

Zwei elternlose Kinder alleine in der australischen Wüste im Kampf ums Überleben, auf der Suche nach einer Perspektive, nach sich selbst.

Die Geschichte beginnt ausgesprochen dramatisch. Die 14-jährige Karanda und der 8-jährige Solomon sollen von einem Lastwagenfahrer quer durch die Wüste nach Alice Springs zu neuen Pflegefamilien gebracht werden. Es ist Nacht, das Mädchen streitet sich mit dem Fahrer ums Radioprogramm, da taucht plötzlich ein Känguru vor ihnen auf, der Laster kracht gegen einen Baum, der Fahrer ist tot.

Hinein in die Wüste

Karanda sieht in dem Unglück eine Chance: Endlich Freiheit! Keine neue Pflegefamilie mehr, alles hinter sich lassen, einen Ort finden, wo sie in Ruhe sein kann, bis sie erwachsen ist. Also schnappt sie sich ihren Rucksack, gibt dem kleinen Jungen die Anweisung, im Auto auf Hilfe zu warten. Und stolpert hinein in die nächtliche Wüste.

Weit wäre sie aber nicht gekommen, wenn ihr nicht der kleine Junge gefolgt wäre, der immerhin daran gedacht hat, den Proviant mitzunehmen und den Erste-Hilfe-Kasten. Ohne den Jungen hätte Karanda den ersten Tag in der Wüste nicht überlebt. Trotzdem will sie ihn loswerden, will sich auf keinen Fall mehr auf irgendeine Art von Bindung einlassen, will nie mehr enttäuscht werden.

Aber der Junge ist zäh und anhänglich. Auch er trägt eine Geschichte mit sich herum, auch er hat seine dunklen Seiten. Er lässt sich nicht abschütteln. Und Karanda begreift schnell, dass sie tatsächlich auf ihn angewiesen ist, und nicht nur er auf sie.

Denn Solomon kennt sich in der Wüste aus, obwohl er noch nie dort gewesen ist. Jahrelang hat er die Fernsehserie Bush Tucker Man verfolgt (kann man auf YouTube sehen!), in der sehr anschaulich erzählt und gezeigt wird, wie die australischen Ureinwohner über Jahrtausende in dieser auf den ersten Blick so unwirtlichen Gegend gelebt haben.

In dem Roman geht es also um zwei Dinge: Die inneren Verletzungen dieser beiden Kinder, die immer wieder aufbrechen, sie verunsichern, belasten und gemeinsames Tun schwermachen. Und das Überleben in der Wüste: Wo finden sie Wasser, was können sie essen, wie schützen sie sich vor Hitze, gefährlichen Tieren, giftigen Pflanzen.

Authentisch und glaubwürdig

Die Autorin entwickelt sehr authentisch und glaubwürdig, wie die beiden so verschiedenen Kinder sich finden, wie sie sich hitzig auseinandersetzen, um sich dann wieder einander zu nähren. Wie sie sich nach und nach öffnen, wie sie lernen, sich in der so feindlich scheinenden Natur zu bewegen, sich mit Leben und Tod auseinandersetzen, einander zu vertrauen. Und letzteres führt schließlich dazu, dass es zu einer Lösung kommt, die beiden Kindern eine Chance für die Zukunft gibt.

Am Anfang ist es vielleicht ein bisschen schwer, in die Geschichte hineinzukommen, vor allem auch, weil einem das Mädchen zunächst nicht sonderlich sympathisch erscheint. Aber dann nimmt sie richtig Fahrt auf und lässt einen nicht mehr los. Sehr spannend und interessant ist nicht nur die Entwicklung der Beziehung der beiden Kinder, sondern auch die vielen Details aus der Natur, die Überlebenstechniken, die die beiden entwickeln.

Heike Brandt, kulturradio