Nina Weger: Als mein Bruder ein Wal wurde; Montage: rbb
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Ab 10 Jahren - Nina Weger: "Als mein Bruder ein Wal wurde"

Darf man über das Leben eines anderen entscheiden? Und woher soll man wissen, was richtig oder falsch für ihn ist, wenn man ihn nicht fragen kann? Um diese Fragen geht es in einem neuen Kinderbuch der Autorin Nina Weger.

Bela hat einen großen Bruder wie man ihn sich toller nicht wünschen kann. Julius ist nett, hilfsbereit, sportlich und bei allen beliebt. Vor allem bei seinem kleinen Bruder.

Doch dann fällt Julius nach einem Unfall ins Wachkoma. Und alles wird anders. In der Familie gibt es ab sofort eine neue Zeitrechnung. Alles wird eingeteilt in "vor Julius Unfall" und "nach Julius Unfall". Als alle Therapien ausgeschöpft sind, ohne dass sich an Julius' Zustand etwas geändert hat, soll die Familie eine Entscheidung treffen und droht daran auseinanderzubrechen.

Um seine Familie zu retten, haut Bela von Zuhause ab und macht sich zusammen mit seiner Freundin Martha und einer geklauten Kreditkarte auf den Weg nach Rom, zum Papst. Weil der ja schließlich wissen muss, was in einer solchen Situation richtig oder falsch ist.

Roadtrip von Hannover nach Rom

Und damit beginnt ein Roadtrip von Hannover nach Rom, auf dem Bela und Martha abenteuerliche, manchmal gruselige und manchmal wunderschöne Situationen erleben. Sie treffen auf hilfsbereite Menschen, nehmen an der Lichterprozession für die "heilige Rita", der Schutzpatronin für hoffnungslose Fälle, teil und verbringen einen glücklichen Tag an der italienischen Adriaküste.

Was bedeutet es, über das Leben eines geliebten Menschen zu entscheiden?

Vor mehr als zehn Jahren hat Nina Weger von einer Mutter gelesen, deren Sohn im Wachkoma lag und die seine künstliche Ernährung einstellen lassen wollte. Das Thema hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Was bedeutet es, über das Leben eines geliebten Menschen zu entscheiden? Was ist richtig und was ist falsch?

Nina Weger hat alles, was sie zum Thema Wachkoma gelesen hat, in einem Ordner gesammelt und sich zur Vorbereitung auf das Buch mit Eltern, Geschwistern und Ärzten von Wachkoma-Patienten getroffen.

Mal komisch, mal traurig – und immer sehr spannend

Nina Weger erzählt die Geschichte aus Belas Perspektive. In seiner Vorstellung gleitet Julius wie ein riesiger Wal durch die Tiefen des Ozeans. Ganz allein und ganz weit unten, wo noch nie ein Sonnenstrahl angekommen ist. Für ihn ist dieser Wal so etwas wie die Seele seines Bruders, die losgelöst vom Körper durchs Meer schwimmt und eigentlich ganz zufrieden ist. Nina Weger hat eine sehr berührende Geschichte geschrieben, die mal traurig, mal komisch und von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist.

Sarah Hartl, kulturradio