"William Grill: Die Wölfe von Currumpaw"; Montage: rbb
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Ab 10 Jahren - William Grill: "Die Wölfe von Currumpaw"

Ungeheuer-Fantasien umranken den Wolf: Menschenfresser, Bestie, Monster. In seinem Bilderbuch "Die Wölfe von Currumpaw" erzählt Zeichner William Grill zwei Geschichten einer solchen Fantasie – die des getriebenen Wolfs und die des brutalen, später geläuterten Jägers.

"Seit ich Lobo begegnet bin, ist ein mein aufrichtiger Wunsch, den Menschen klarzumachen, dass jedes einheimische wilde lebende Geschöpf an sich ein kostbares Erbe darstellt. Wir haben kein Recht, es zu vernichten und unseren Kindern vorzuenthalten." Ernest Thompson Seton

Der Mann, von dem dieses Zitat stammt, lebte Ende des 19. Jahrhunderts in den USA und war ein berühmter Wolfsjäger – bis er in New Mexiko den berüchtigten Wolf Lobo zur Strecke brachte.

William Grill erzählt in einem reichhaltig gestalteten, großformatigen Buch in Bild und Wort sowohl die Geschichte des Wolfes als auch die seines Jägers, der nach dem Tod des Wolfes zu einem der ersten Tierschützer Amerikas wurde.

Der kluge Lobo

Zu Beginn der Geschichte zeigt der Autor, was der Wolfsjagd vorausging – nämlich die Besiedlung der USA durch Europäer, die sich ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen und Tiere das Land aneigneten und nach ihren Bedürfnissen nutzten.

Da es bald kaum noch freilebende wilde Tiere gab, die die Wölfe hätten jagen können, blieb ihnen nur das Vieh der Farmer – und die rotteten die Wölfe unerbittlich aus, wenn sie ihrer habhaft wurden.

Ein Wolf aber, den sie Lobo nannten (das spanische Wort für Wolf) war besonders klug und schaffte es, gemeinsam mit seinem Rudel, den Jägern zu entkommen. Es entstanden allerhand Gerüchte über ihn, er wurde für einen gefährlichen Werwolf gehalten, der unbedingt vernichtet werden musste. Und dafür wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt.

Schützenswert

Ernest Thompson Seton nahm die Herausforderung an und bewältigte sie nach vielen Versuchen schließlich auch – aber in dem Moment war er nicht stolz auf das, was er getan hatte, sondern er begriff, dass Lobo kein Dämon war, sondern ein Tier, dem die Menschen den Lebensraum und die Lebensgrundlage genommen hatten und das geschützt werden musste. Diese Erkenntnis machte er auch öffentlich und löste damit in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts eine breite Debatte aus. Seit 1973 sind Wölfe in den USA geschützt.

Viel zu entdecken

Der Text im Buch ist knapp gehalten, die meist erdfarbenen Bilder sind dafür umso vielfältiger und machen die Geschichte lebendig. Es gibt viel zu entdecken: Mal finden sich auf einer Seite viele kleine Bilder, im Briefmarkenformat, die sich zu einer Geschichte reihen, mal können sich die Prärie oder der endlose Sternenhimmel auf einer Doppelseite ausbreiten.

Heike Brandt, kulturradio