Detail der "Marxismus Kapellle" von Koldovskiye Khudozhniki in der Ausstellung "Karl Marx Forever?", St. Petersburg 2018; © dpa/Alexander Demianchuk
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- Karl Marx - ein Prediger?

Thesen zur versteckten Theologie des Denkers

Von Geseko von Lüpke

Vor 200 Jahren wurde Karl Marx als Sohn eines Rabbiners und einer tiefgläubigen jüdischen Mutter geboren. Nach ihrem Wunsch sollte er sogar Rabbi von Trier werden. Doch der Sohn distanzierte sich später grundsätzlich von aller Religiosität.

Tatsächlich? Mit dem kommunistischen Ideal zeichnete Karl Marx das Paradies auf Erden. Er lehnte die Geschichte vom jüdischen Auszug ins Heilige Land ab, aber wurde zum Propheten einer geknechteten Schicht. Die Diktatur des Proletariats sollte eine große moralische Reinigung sein – eine Metapher des Fegefeuers. Hat seine religiöse Sozialisation, die ihm über Generationen quasi in den Genen steckte, ihn zu einem "atheistischen Prediger" werden lassen, dessen globale Wirkung vielleicht auch darin lag, dass er religiöse Sehnsüchte säkularisierte?

Marx 200