Chassidische Juden während einer Pilgerfahrt zum Grab von Rabbi Elimelech von Lyschansk © imago/newspix
imago/newspix
Bild: imago/newspix Download (mp3, 23 MB)

- "Meine Leser, das schreckliche Volk"

Theodor Fontane und die Juden

Von Jürgen Buch

Den offenen politischen Antisemitismus seiner Zeit machte Theodor Fontane nicht mit. Er war sogar mit Juden befreundet, von denen er nur Gutes erfahren habe. Sein wichtigster Verleger war jüdisch, wie auch ein großer Teil seiner Leserschaft.

Dennoch waren die Juden dem Schriftsteller nicht sympathisch. In seinen Briefen und Tagebüchern finden sich herabwürdigende Urteile, Schmähungen und Tiraden über Juden: Es sei, trotz aller Begabungen, "ein schreckliches Volk". Ihre "unschönen Gaunergesichter" drängten sich überall auf, schreibt er aus Norderney.

In seinen veröffentlichten Schriften hält er sich zurück – aus Rücksicht auf seine vielen jüdischen Leser? Weil er den offenen Antisemitismus der wilhelminischen Gesellschaft ablehnte? Oder weil er es nicht wagte, sich offen zu seiner Abneigung zu bekennen?