Anne Dore Krohn und Daniel Kehlmann © Gregor Baron
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- Seiltänzer durch die Jahrhunderte

Das Literarische Gespräch - Daniel Kehlmann und sein Roman "Tyll"

Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn

Der Roman "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann war einer der größten Bucherfolge der letzten Jahrzehnte. Als die fiktive Doppelbiographie über den Mathematiker Karl Friedrich Gauß und den Naturforscher Alexander von Humboldt 2006 erschien, stand sie 37 Wochen auf Platz 1 derSpiegel-Bestsellerliste. Daniel Kehlmann hat seither viele weitere Bücher geschrieben, "Ruhm" zum Beispiel oder "F", aber "Die Vermessung der Welt" blieb bisher sein bekanntestes Buch. Nun hat er einen Roman vorgelegt, der möglicherweise genauso erfolgreich sein könnte: "Tyll", ein Buch über den Dreißigjährigen Krieg.

"Tyll" – Ein fulminantes poetisches Experiment, das grandios aufgeht

Mutig wirbelt Kehlmann in "Tyll" die Geschichte durcheinander: Denn er verpflanzt den bekannten Narr Till Eulenspiegel, der eigentlich aus dem späten Mittelalter stammt, mitten in den Dreißigjährigen Krieg. Ein fulminantes poetisches Experiment, das grandios aufgeht – Tyll Ulenspiegel, wie er im Buch heißt, passt hervorragend in die chaotische Zeit, als dämonischer Schelm, der den Menschen den Spiegel vorhält.

Tyll wächst in einfachen Verhältnissen auf, als Sohn eines Müllers. Als der von der Inquisition als Hexer hingerichtet wird, schließt sich Tyll dem fahrenden Volk an und reist durch die Lande. Dabei bleibt Tyll keineswegs die einzige Hauptfigur: Kehlmann lässt in seinem Figurenreigen viele bekannte und unbekannte, fiktive und historisch verbürgte Figuren der Zeit auftauchen: einen Henker mit Herz, den Kurfürsten und Winterkönig Friedrich V und seine Frau Elisabeth Stuart, einen rotgesichtigen Gaukler, der Tyll eine Weile zum Lehrer wird.

Im Literarischen Gespräch erzählt Daniel Kehlmann, warum ihn der Dreißigjährige fasziniert hat, warum er große Teile des Buches in einer Bibliothek in New York geschrieben hat, warum er die Nebenfiguren mit viel Liebe bedacht hat und warum er den Eindruck hat, Till Eulenspiegel selbst habe ihm beim Schreiben geholfen.

Rezensionen

Daniel Kehlmann: Tyll; Montage: rbb
Rowohlt

Roman - Daniel Kehlmann: "Tyll"

Seit dem späten Mittelalter streift er durch die deutsche Literatur: Till Eulenspiegel, auch Tyll Ulenspiegel genannt. Nach unzähligen Volksbüchern, nach Hans Sachs und Charles de Coster, nach Richard Strauss und seiner Tondichtung über den Schalk und Gaukler haucht nun Daniel Kehlmann dem unsterblichen Gesellen gewaltig Leben ein.

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