Sven Hanuschek, Mitherausgeber von Erich Kästners Tagebuch "Das Blaue Buch"; Montage: rbb
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- Das literarische Gespräch

Sven Hanuschek über Erich Kästners Kriegstagebücher "Das Blaue Buch"

Der Schriftsteller Erich Kästner gilt als typischer Vertreter der Inneren Emigration. Obwohl er 1933 zusah, wie seine Bücher verbrannt wurden, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. Zwar hatte er Publikationsverbot, dennoch schrieb er weiter. Unter Pseudonym entstanden Theaterstücke, Unterhaltungsromane, das Drehbuch für den großen Durchhaltefilm "Münchhausen" der UFA. Heimlich schrieb er auch in ein Tagebuch, dokumentierte den Gang des Krieges und sammelte Ideen für den "großen Roman über den Nationalsozialismus", den er nach dem Krieg schreiben wollte.

Den großen geplanten Roman hat Kästner jedoch niemals geschrieben. In der Nachkriegszeit entstanden Gedichte und weitere Kinder- und Jugendbücher, doch den Glauben an politische Erwachsenenliteratur hatte er verloren.

Im Atrium-Verlag ist nun "Das Blaue Buch" erschienen, Erich Kästners Kriegstagebücher von 1941 bis 1945. Herausgegeben, neu kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Sven Hanuschek, dem international führenden Kästner-Experten. Ab 1941 notierte Kästner in einem blauen Büchlein in Gabelsberger Kurzschrift Ereignisse des Krieges und sammelte Ideen für den großen Roman.

Im Literarischen Gespräch erklärt Sven Hanuschek, warum Kästner für ihn eine halbtragische Figur ist, weshalb er sich gegen das Exil entschied und warum er den großen NS-Roman nicht schreiben konnte.