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- Das literarische Gespräch

Arno Geiger mit "Unter der Drachenwand"

Am Mikrofon: Anne-Dore Krohn

Der österreichische Schriftsteller Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, erhält in diesem Jahr den Joseph Breitbach Preis, mit 50 000 Euro einer der höchstdotierten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Arno Geiger wurde bekannt mit Romanen wie "Es geht uns gut", "Alles über Sally" oder "Der alte König in seinem Exil". In diesem Frühjahr hat Arno Geiger das erste Mal einen rein historischen Roman vorgelegt, den die Jury des Breitbach-Preises insbesondere hervorhob: "Unter der Drachenwand" spielt im letzten Kriegsjahr 1944/ 1945 und handelt von einem jungen Soldaten, der zur Genesung der Kriegsverletzungen in den Ort Mondsee im Salzkammergut reist.

Das Besondere an "Unter der Drachenwand" ist, dass Geiger vollkommen auf ein Spiel mit den Fiktionen verzichtet. Sein Ziel war es, einen Roman ohne historischen Blick zu schreiben und stattdessen einen emotionalen Raum aus der Zeit heraus auszubreiten. "Ein Buch über das Dritte Reich schüttelt man nicht einfach aus Lust und Laune aus dem Ärmel", sagt Geiger - zehn Jahre hat er dafür recherchiert - vor allem hat er alte Briefe gesichtet, Flohmarkt- und Dachbodenfunde, die ihm halfen, ein gedankliches Fundament aufzubauen, auf dem er dann – in einem gewaltigen Kraftakt – innerhalb von fünf Monaten den Roman baute.

"Letztlich habe ich auf diesem Fundament, das ich mir mit dieser Recherche erschaffen habe, einen fiktionalen Roman erschaffen, ein erfundenes Haus mit echten Türen und Fenstern. Aber die Figuren sind erschaffen. Die haben ihre Tatsächlichkeit von mir bekommen." Arno Geiger

Im Zentrum steht ein junger Soldat, Veit Kolbe, der aufgrund von Kriegsverletzungen vom Krieg "zur Seite geworfen" wird und sich im Salzkammergut erholen kann, als habe der Krieg die Pausentaste gedrückt. Dort trifft er Margot, die mit ihrem Baby im Nachbarzimmer lebt, sie lernen sich kennen und lieben. "Veit Kolbe ist mir nahe", sagt Arno Geiger, "ein Held ist er keiner. Irgendwie so ein gemischter Charakter, wie wir fast alle."

Wie einer in die zeitlichen Umstände hineingeworfen wird, wie er damit umgeht, wovon er träumt und sich sein eigenes Leben strickt, davon erzählt Arno Geiger in "Unter der Drachenwand", unpädagogisch, unideologisch, überzeugend. Nicht nur ein Kriegsroman, sondern ein zeitloser, kunstvoller Roman, wie immer bei Arno Geiger mit Figuren, die "Atem und Pulsschlag" haben.