"Wie schmeckt die Welt? Die köstlichen Geheimnisse unseres Essens"; Montage: rbb
Bild: Polyband

Dokumentation - "Wie schmeckt die Welt? – Die köstlichen Geheimnisse unseres Essens"

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Gesundheitsbewusstsein und Wellnesstrends haben dazu geführt, dass es dabei längst um sehr viel mehr geht als nur die bloße Nahrungsaufnahme. Die dreiteilige BBC-Serie "Wie schmeckt die Welt?" verbindet biologische, physikalische und chemische Prozesse des Essens mit einer Abenteuerreise um die Welt.

Zackiges Schnippeln, geschmeidiges Rühren und schwungvolles Gießen. Aufsteigende Dämpfe aus dem Kochtopf und zischendes Braten in der Pfanne: Kochen und Essen vor der Kamera hat Konjunktur. In zahllosen Blogs und Fernsehsendungen werden die sinnlichen Genüsse zelebriert, bis dem Zuschauer das Wasser nur so im Munde zusammenläuft.

Schon die ersten Bilder, noch unter dem Vorspann, ziehen lustvoll appetitanregend in die Welt des Essens hinein: Zischendes Fleisch auf dem Grillrost. Dampfender Kaffee. Ein knuspriges Baguette, dessen luftige Poren mit Butter bestrichen werden. Ein Ei, das in malerischer Zeitlupe in die Pfanne platscht. Philippinische Kinder, die Bambusschalen mit lockerem Reis in ihren kleinen Händen halten. Menschen, die sich in einem italienischen Restaurant um den Tisch versammeln. Eine mexikanische Mamma, die einen dampfenden Eintopf rührt. Viele verschiedene Eindrücke werden durch eine sonore Stimme aus dem Off sortiert: "Jeden Tag bereiten wir unser Essen auf verblüffend viele unterschiedliche Weisen zu, die unseren Körper nähren, unsere Geschmacksknospen stimulieren und unser Gehirn füttern. Jetzt können wir mit Hilfe der modernen Wissenschaft erstmals tief in unser Essen hineinblicken. Begleiten Sie uns auf eine kulinarische Abenteuerreise um die Welt ..."

Mehr als nur verführen

In extremen Großaufnahmen werden die Nahrungsmittel zu Landschaften des Genusses, halbierte pralle Pflaumen, aus deren Mitte sich der Kern erhebt, saftig glänzende Tomatenhälften, Orangenscheiben und Granatapfelkerne. Ein kleines Reiskorn, das den ganzen Bildschirm füllt. Die Lamellen eines Pilzes gleichen einer bizarren Kraterlandschaft. Von Anfang an sind die Bilder ein kulinarisches Fest.

Aber Toby MacDonald und Martin Johnson wollen mehr als nur verführen. Sie wollen die vielfältigen Geheimnisse unseres Essens lüften (OT The Secrets of our Food), die komplizierten Prozesse untersuchen, die beim Anbau der Nahrungsmittel und bei der Zubereitung des Essens ablaufen, aber auch in Körper und Gehirn bei der Nahrungsaufnahme: "Der Körper spaltet die Kohlehydratketten in Einfachzucker auf, in Glukose. Glukose wird schnell vom Blut absorbiert und durch den Körper transportiert, wo es unsere Muskeln und lebenswichtigen Organe versorgt."

Kurzweilig unterhaltsam

Das ist niemals wissenschaftlich trocken, sondern immer kurzweilig unterhaltsam. In Computeranimationen und durch extreme Vergrößerung wird das Essen im wahrsten Sinne des Wortes durchdrungen, Vitamine sehen in tausendfacher Vergrößerung wie eine neonbunte Kristallwelt aus.

Erste Station der kulinarischen Weltreise sind die Reisbauern auf den Philippinen, das saftige Grün der malerisch ins neblige Tal geschmiegten Terrassen in Banoe, wo wir erfahren wie schwer es ist, die Energie, die in den rohen Reiskörnern steckt, freizusetzen: "Die Kohlehydrate sind durch lange Molekülketten miteinander verbunden was sie für uns unverdaulich macht. Doch zu unserem Glück vermag die Kombination von Wasser und Hitze ihre Ketten zu trennen. In 600facher Vergrößerung  schwellen die Zellen im kochenden Wasser an, das ist der Moment, in dem sie aufplatzen und verdauliche Kohlehydrate hervorbrechen."

Im Zickzack-Kurs um die Welt

Von den philippinischen Reisbauern geht es im Zickzack-Kurs um die weite Welt, nach San Francisco in eine berühmte Bäckerei, in der Weizenmehl mit Hilfe von Mikroben aus einem Jahrhunderte alten französischen Sauerteig zu krossem Brot verarbeitet wird. Nach Mexiko, wo eine besonders köstliche, von Pilzen befallene Maissorte angebaut wird. Nach Schottland wo die glücklichen Hochlandrinder ihren von Hochlandklee befeuerten Geschmack entfalten. Zu den Milchbauern in den südbulgarischen Rhodopen, in die bretonischen Salzwassergärten ...

Auf der Reise durch die Welt werden en passant viele überraschende Erkenntnisse ausgebreitet, zum Beispiel wie aus bitteren Kakaobohnen verführerische Schokolade wird und wie Erdbeeren mit vorgetäuscht hohem Zuckergehalt für ihre Vermehrung sorgen: "Sobald die Samen bereit sind, senden sie Hormone aus, die signalisieren der Pflanze, dass sie den Säuregehalt der Frucht ausgleichen muss, um sie schmackhafter zu machen. Nun wird die Frucht zügig mit Zucker angereichert, der Zucker reagiert mit dem Pflanzenpigment, das der Pflanze ihr verlockendes Rot gibt, das flüstert: Iss mich!"

Keine Frage, für jeden bereisten Ort gäbe es zehn weitere, an denen sich noch viele weitere Geheimnisse entdecken ließen. Jede Menge Stoff also für weitere Folgen!

Die dreiteilige BBC Serie "Wie schmeckt die Welt" mit den Kapiteln "Du bist was du isst", "Eine Frage des Geschmacks" und "Nahrung für das Gehirn" ist bei Polyband erschienen und kostet rund 14 Euro.

Anke Sterneborg, kulturradio

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