Deutsche Kinemathek | Schwermut und Leichtigkeit: Helmut Dietl am Set von SCHTONK! © Deutsche Kinemathek
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Deutsche Kinemathek - "Schwermut und Leichtigkeit"

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"A bissl was geht immer!" So pflegte es die von Helmut Dietl geschaffene Figur des Monaco Franzen in der gleichnamigen Serie zu sagen. Jetzt geht noch mehr: Die Deutsche Kinemathek widmet dem Autor, Regisseur und Produzenten Dietl eine Sonderschau.

Vor gut drei Jahren, im März 2015 ist der Film-und Fernsehregisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl in München gestorben. (Film und Serien-Titel: "Münchner Geschichten", "Monaco Franze", "Kir Royal", "Schtonk", "Rossini"). Im vergangenen November hat sich seine Witwe Tamara Dietl entschlossen, seinen Nachlass nach Berlin zu geben. Die 250 Kisten mit Dokumenten, Filmen und Gegenständen die daraufhin an die Kinemathek am Potsdamer Platz geliefert wurden, müssen von Filmhistorikern sukzessive gesichtet werden. Nun gewährt die Kinemathek erste Einblicke in die Schätze dieser Sammlung, in der Sonderschau "Schwermut und Leichtigkeit".

Sehr feinfühlig

Die Ausstellung beginnt im Spiegelsaal, wo die Besucher auf das Werk eingestimmt werden. Eine ganze Wand des Raumes wird da mit Ausschnitten aus den Filmen bespielt, mal als Puzzle vieler Filmausschnitte, mal als eine einzige riesige, wandfüllende Kinoleinwand. Spiegel an den Seiten und der Decke vervielfältigen diese Bilder, das heißt man taucht ganz direkt ins Werk von Dietl ein.

Schon hier wird der Titel der Ausstellung, den die Kuratoren von Gerlinde Waz und Klaudia Wick von der gleichnamigen Dokumentation von Lars Friedrich übernommen haben, sehr feinfühlig zum Motto der Ausstellung gemacht, diese Mischung aus Schwermut und Leichtigkeit, aus oberflächlichem Vergnügen und tiefgründiger Lebensweisheit, im Zusammenhang mit dem großen Lebensthema von Dietl, dem Suchen, Finden und Verlieren der Liebe, den ewigen Missverständnissen zwischen Männern und Frauen.

Deutsche Kinemathek | Schwermut und Leichtigkeit: Helmut Dietl am Set von SCHTONK! © Karin Rocholl
Bild: Karin Rocholl

Von Charlie Chaplin inspiriert

Die Ausstellung versteht sich als erster Vorgeschmack auf die Schätze, die der Nachlass birgt, unter anderem in fünf Vitrinen mit Exponaten zu einzelnen Filmen, zum Beispiel zu "Schtonk", die beißene Komödie  über den Fälscher der Hitler-Tagebücher, die der Stern ein bisschen voreilig veröffentlicht hatte.

Hier wird der Werkstattcharakter des Nachlasses voll ausgespielt, man erfährt viel über die Arbeitsprozesse, in persönlichen Briefen, Vertragsabschlüssen, Absichtserklärungen für die Filmförderanstalten, Zeitungsartikeln,  und vor allem sehr viele schöne und stimmungsvolle Fotos von den Dreharbeiten, aber auch Kostüme, wie der weiße Bademantel mit Goldborte, den Götz George als Magazin-Redakteur getragen hat und einen Brief in dem Dietl in Amerika erklärt, wie der Titel "Schtonk" von Charlie Chaplin inspiriert ist.

Vorgeschmack auf kommende Attraktionen

Für die Dauer der Aussteller und zum Teil auch darüberhinaus werden in der umfangreichen Mediathek der Kinemathek  alle Fernsehserien und Filme komplett präsentiert, dazu noch jede Menge Interviews und Dokumentationen, an jedem der sechs Monitore gibt es zunächst zur Orientierung und Einstimmung einen Zusammenschnitt, der Lust darauf macht, mehr zu sehen,  da gibt es erheblich mehr Material als innerhalb der Öffnungszeit eines Tages gesichtet werden kann.

Bei der Eröffnung waren neben der Witwe Tamara Dietl auch die Schauspielerin Michaela May und die Fotografin Karin Rocholl anwesend, die häufig mit Helmut Dietl gearbeitet haben, die alle sehr berührt und bewegt waren über diesen Vorgeschmack auf kommende Attraktionen. Mit ihren Erzählungen über Dietls leidenschaftliche Begeisterung für die Details der Kostüme wurde auch Michael May einne Moment lang zum Teil dieser Werkausstellung.

In den nächsten Jahren werden die Schätze des Nachlasses geborgen, alles muss gesichtet und erschlossen werden, zum Teil auch gesichert und restauriert. Parallel soll der Nachlass bereits digital zugänglich gemacht werden, bevor er in rund vier Jahren mit anderen Teilen der Sammlung vernetzt und in einer großen Ausstellung präsentiert wird, auf die man sich schon jetzt freuen kann!

Silke Hennig, kulturradio

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