Museum Barberini: Pablo Picasso, Jacqueline in türkischem Kostüm, 1955, Öl auf Leinwand, Sammlung Catherine Hutin © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Bild: Claude Germain

Museum Barberini - Picasso. Das späte Werk

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In seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten hat Pablo Picasso vor allem eine Frau gemalt: seine Ehefrau Jacqueline. Aus ihrer Sammlung stammen die Werke ...

Sie war die letzte Frau in Pablo Picassos Leben: Jacqueline Roque, mehr als 40 Jahre jünger als er. 1953 lernte sie ihn kennen,  1961 heiraten sie.  Von Jacqueline  Picasso gibt es mehr Bildnisse als von jeder anderen Geliebten des Malers.  Aus der umfangreichen Sammlung, die sie bei ihrem Freitod 1986 hinterließ, wurden  bislang immer nur einzelne Werke ausgeliehen. 

Sylvette

Die Ausstellung im Museum Barberini ist die erste, die sich ganz aus der "Sammlung Jacqueline Picasso" speist. Sie beginnt programmatisch mit einem frühen Porträt von Jacqueline von 1954, das an die zahlreichen Bildnisse der jungen "Sylvette" erinnert, die Picasso kurz zuvor, nach der Trennung von Francoise Gilot gemalt hat: Mit überlangem dünnen Hals, der vom unteren Bildrand empor wächst wie ein Blumenstängel und den Kopf wie eine schwere Blüte trägt. Die großen mandelförmigen Augen und die gerade Nase entwickelt Picasso zu Charakteristika. Sie tauchen in Skizzen auf, in Gemälden und Plastiken.

Malerei und Plastik

Jacquelines Erscheinung wird vom Künstler in kubistischer Multi-Perspektive festgehalten. Er nimmt sie auseinander und setzt sie neu zusammen. Er formt und bemalt Vasen nach ihrem Vorbild, schneidet und biegt Bleche, so dass sie in den Raum greifen und malt – schwarz auf weiß, sehr ornamental – Augen, Mund, Haare darauf: Einfach und doch komplex verschränkt Picasso Fläche, Raum und Zeichnung zu einem hinreißenden Porträtkopf. So wird aus Malerei Plastik und umgekehrt.

Picasso privat, persönlich

Statt eines bestimmen "Spät-Stils"  ist hier ein Künstler zu erleben, der am Ende seines Lebens nach Herzenslust variiert und ins  eigene Repertoire greift.  Aber auch in das anderer Künstler.  So malt Picasso u.a. Interieurs,  die offensichtlich von Henri Matisse' ornamental-flächigem Stil beeinflusst sind, oder lässt in wüst gemalten Gestalten seine Auseinandersetzung mit  zeitgenössischen Strömungen wie der Art Brut erkennen.  Er zeigt sich  hier ganz von seiner spielerischen Seite: Ein alter Mann, der mit größter Freiheit alles Mögliche probiert und das offensichtlich über die Produktion von Meisterwerken stellt.  Viele dieser Werke tragen persönliche Widmungen, waren also von vornherein privat und  nicht für den Markt gedacht.  Sehr wahrscheinlich ist dieser "freie" Picasso so nur in einer derart privaten Sammlung zu erleben.

Silke Hennig, kulturradio

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