Charles Baudelaire: Wein und Haschisch; Montage: rbb
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Essays - Charles Baudelaire: "Wein und Haschisch"

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Anlässlich des 150. Todestages von Charles Baudelaire erschien in diesem Jahr ein kleiner Band mit Essays des großen Dichters. Darin sind aber nicht nur Abhandlungen über die Wirkung von "Wein und Haschisch" zu finden.

Charles Baudelaire (1821 – 1867) war zu seiner Zeit weniger als Dichter bekannt, denn als Kunstkritiker – und bekennender Drogenkonsument. Den Ruf als solcher untermauerte er nach Kräften durch seine Abhandlungen. 1860 erschien ein ganzer Band, in dem er "künstliche Paradiese" erforschte: chemisch, anekdotisch, medizinisch und subjektiv, auf Basis seiner jahrzehntelangen Erfahrung.

Doch schon Jahre früher hatte Charles Baudelaire für eine Zeitschrift einen Aufsatz verfasst, in dem er Haschisch und Wein miteinander verglich. Beide Substanzen beschrieb und bewertete er nach ihrer Wirkung: den Freuden, die sie schenken und den Folgen für die Lebensführung.

Dabei kommt er zu dem erstaunlichen Schluss, dass der Wein das Leben und vor allem die Arbeit erträglicher mache, während das Haschisch im Menschen die Illusion erzeuge, eine Art Gott zu sein. Was für das Leben ja eher hinderlich ist.

Baudelaire schrieb diesen Text, als er noch aktiv sozialistischen Idealen nachstrebte, und vielleicht rühren daher seine geradezu dialektischen Abwägungen: Der Wein, liest man da heraus, ist der wahre Glückstoff für alle, Haschisch dagegen erzeugt elitäres Bewusstsein und ist eher etwas für Spezialisten.

Glücksstoff für Spezialisten

Baudelaire schrieb diesen Text, als er noch aktiv sozialistischen Idealen nachstrebte, und vielleicht rühren daher seine geradezu dialektischen Abwägungen: Der Wein, liest man da heraus, ist der wahre Glücksstoff für alle, Haschisch dagegen erzeugt elitäres Bewusstsein und ist eher etwas für Spezialisten.

Allerdings spricht Baudelaire nicht über das gemütliche Rauchen eines Joints, sondern über das Schlucken einer ziemlich großen Menge, noch dazu mit Opium versetzt. Was danach passiert, beschreibt er wie einen LSD-Trip, poetisch und abgründig. Man denkt sofort an die Drogenprotokolle von Ernst Jünger – und findet, dass Baudelaire doch der größere Dichter von beiden war.

"Wein und Haschisch" ist nicht der einzige Text in diesem schön dekadent aufgemachten Büchlein: Zwischen seinen bordeauxroten Samtdeckeln befinden sich – unter anderen – Abhandlungen über einen ziemlich rauschhaften Wagner-Abend in Paris, über den Zauber kindlichen Spielzeugs und über die Männlichkeit der Madame Bovary.

Katharina Döbler, kulturradio

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