Michael Horowitz: Leonard Bernstein. Magier der Musik. Die Biografie
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Biografie - Michael Horowitz: Leonard Bernstein. Magier der Musik. Eine Biografie.

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Leonard Bernstein war immer im besten Sinne anregend: Ob als charismatischer Orchesterleiter oder als Komponist der "West Side Story" oder aber als Moderator von Fernsehsendungen. Vor seinem hundertsten Geburtstag im kommenden Jahr hat sich der Wiener Journalist Michael Horowitz zu einer anekdotenreichen Biografie anregen lassen.

Michael Horowitz erzählt das Leben und die Wirkung von Leonard Bernstein im Grunde als die Geschichte dreier höchst spannungsvoller Familien: Zuerst die Familie, in der Bernstein aufgewachsen ist. Die Eltern waren ukrainische Emigranten in den USA, die sich aus der Armut emporgearbeitet hatten und an ihren gegensätzlichen Charakteren litten. Dann die Familie, die Bernstein mit seiner Frau Felicia gründete. Die Ehe mit dem offen bisexuellen Dirigenten, der unzählige homosexuelle Affären auslebte, konnte gar nicht gut gehen. Und schließlich die Familie der vielen Musiker, Sänger, Manager und Fans, die er um sich herum scharte.

Fast wie ein Simmel-Roman

Der Autor nutzt jede Gelegenheit, private Anekdoten durchaus griffig und unterhaltsam zu erzählen. Er stützt sich dabei auf viele Zitate von Kritikern und Künstlern, darunter auch die gegensätzlichen Sichten von Christa Ludwig und Gundula Janowitz, die Bernstein als Förderer und als abweisenden Fiesling erlebt haben. Bernstein selbst wird als wunderbarer "Magier" wie in einem Zirkus ausgestellt, ohne dass ein Blick hinter seine Zauberkunststücke versucht wird.

Leider strotzt das Buch vor Klatschgeschichten, die auch noch hauptsächlich in Wien spielen. Die New Yorker Zeit ist deutlich unterbelichtet. Was Michael Horowitz an musikalischer Expertise fehlt, versucht er durch Zitate und übergenaue Schilderungen von Nebensächlichkeiten wie der Ermordung von John F. Kennedy wett zu machen. Auf eine altertümliche Weise ist das Buch dennoch unterhaltsam und flott geschrieben, nicht weit entfernt von einem Simmel-Roman.

Dirk Hühner, kulturradio

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