Monika Rittershaus: moving music; Montage: rbb
Alexander Verlag
Bild: Alexander Verlag

Bildband - Monika Rittershaus: "moving music. Die Berliner Philharmoniker & Sir Simon Rattle"

Bewertung:

Die Fotografin Monika Rittershaus setzt in wohlkomponierten Doppelseiten einzelne Musiker ins Licht und geht der Frage nach, wie sich ihre Individualität mit den Ansprüchen eines Weltklasse-Orchesters verträgt.

Musik ist nicht nur das Thema, auch die Gestaltung folgt den musikalischen Prinzipien von Rhythmus, Harmonie und Dynamik. Die verschiedenen Bildformate und eingestreute kurze Interviews erzeugen einen Rhythmus, der nie eintönig wird. Harmonie erreicht Monika Rittershaus durch warme Farben und viel natürliches Licht, durch die Betonung von Linien zum Beispiel der Geigenbögen und vor allem durch die Kombination einander entsprechender Bilder auf Doppelseiten.

Die Dynamik entwickelt sich aus dem filmischen Eindruck, der durch den Wechsel von Totalen und Einzelaufnahmen entsteht. Da wirken auch starke Kontraste zwischen Innen- und Außenaufnahmen.

Monika Rittershaus hat das Orchester auf vielen Reisen begleitet und genießt ganz offensichtlich das Vertrauen der Musiker. Sie fängt viele Augenblicke vor und nach Konzerten ein. So sitzen drei Hornisten in Peking auf Holzkisten und  blasen einen Akkord, oder ein einzelner Bratscher spielt sich auf einer Betontreppe in Dortmund ein. Dabei tritt die Fotografin den Musikern nie zu nahe und wird nie indiskret. Sie vermittelt die Atmosphäre von konzentrierter Arbeit, intensiven Gesprächen und Freude im Konzert, aber auch Momente von Reisestress und Erschöpfung.

In den eingestreuten Interviews erzählen Musiker von ihrem Weg zu den Berliner Philharmonikern. Viele kommen aus Musikerfamilien und überraschend viele sind im Orchester paarweise anzutreffen als Ehepaar, Brüderpaar oder als Vater und Sohn. In den Gesprächen geht es aber auch um Darmsaiten, Gastdirigenten, inszenierte Konzerte oder das Education Programm. Die immer wiederkehrende Grundfrage ist die, wie sich die Individualität, die Lebensplanung oder der Charakter, mit dem Aufgehen im Spitzenorchester vereinbaren lässt.

Das Buch wirkt insgesamt wie ein edel gestaltetes Klassenalbum für den pensionierten Klassenlehrer. Dabei bleibt die Darstellung von Sir Simon Rattle seltsam blass. Seine Fotos zeigen ihn fast ausschließlich in Dirigierpose, aufmerksam gebend und nehmend, aber auch persönlich unnahbar. Es gibt kein Interview mit ihm und auch die Musiker äußern sich nicht über ihren Chef. Lediglich im Vorwort von Eleonore Büning wird die Ära Rattle von außen umrissen. Vielleicht ist das aber auch eine diskrete Aussage über die Beziehung zwischen dem Orchester und seinem scheidenden Chefdirigenten.

Dirk Hühner, kulturradio

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