Robert Lacey: The Crown; Montage: rbb
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Sachbuch - Robert Lacey: "The Crown"

Bewertung:

Ein gutes Beispiel populärer Geschichtsschreibung: Das Begleitbuch zur Netflix-Fernsehserie "The Crown" hat der renommierte Historiker Robert Lacey geschrieben.

Schon das Cover verdeutlicht: Dieses ist ein ungewöhnliches Buch, denn die Profile der jungen Königin Elisabeth und ihrer Darstellerin Claire Foy liegen übereinander. Werden hier die Grenzen zwischen Dokumentation und Drama verwischt? Nein, im Buch nicht.

Die Fernsehserie entfernt sich an einigen – wenigen – Stellen von den historischen Fakten, natürlich, um dramatische Effekte zu erzielen, aber auch, um durch Überzeichnung zu verdeutlichen. Der Historiker Robert Lacey zeigt diese Abweichungen auf und verteidigt sie, weil sie die Vorstellungskraft als unsere Art zu verstehen stärken.

Lehrjahre als Königin

Robert Lacey hält sich streng an die erste Fernsehstaffel. Eine Folge dort entspricht einem Kapitel in seinem Buch, zehn sind es insgesamt. Es geht um die Jahre 1947 bis 1955: von der Hochzeit der Kronprinzessin mit Philip Mountbatten über die Thronbesteigung 1952 bis zum Rücktritt des Premierministers Churchill 1955.

Es geht also um Elisabeths Weg auf den Thron und ihre ersten Jahre, ihre Lehrjahre als Königin. Lacey erklärt die wesentlichen Fakten und Zusammenhänge und unterstützt das mit unglaublich reicher Bebilderung. Dabei stehen Archivaufnahmen und Bilder vom Filmset nebeneinander. Und immer wieder unternimmt Lacey interessante Exkursionen mit den Lesern, z. B. Kurzbiographien zu Akteuren am Hofe oder zu Sachthemen wie "Tabak - der tödliche Fluch des Königshauses". Nicht nur Elisabeths Vater, auch andere Mitglieder des Königshauses starben an den Folgen des Rauchens.

Das Buch hilft, den Stil der Regentschaft von Elisabeth II. zu verstehen. Es wird nachvollziehbar, wie sie ihr eigenes Verständnis ihrer Rolle entwickelt. In diesen formativen Jahren ihrer Regentschaft hat sie gelernt, dass sie sich bei kontroversen Themen nicht öffentlich auf eine Seite schlagen darf, dass sie vielmehr Kontinuität über die jeweiligen politischen Wetterlagen hinweg vermitteln muss.

Und so hat sie es bisher immerhin 66 Jahre lang geschafft, ohne eine politische Machtstellung zu haben, doch Verantwortung und Einfluss auszuüben. Auch zum Zusammenhalt im Commonwealth dürfte ihr Stil entscheidend beigetragen haben.

Aber auch die menschliche Seite der Royals wird im Buch (und der Fernsehserie) deutlich, z. B., wenn sie und Philip einen handfesten Ehekrach haben. Auch Philips massive Probleme nach der Thronbesteigung seiner Frau werden dargelegt: Er muss seine Karriere bei der Marine ebenso aufgeben wie seinen Familiennamen. Und außerdem muss das junge Paar auch noch sein Zuhause verlassen. Das Ehepaar Mountbatten hatte sich gerade ein schönes Heim in London eingerichtet und wollte nicht in den Amtssitz, in den Buckingham Palace umziehen. Aber die Königin hat dort zu wohnen. Also zogen sie – wie sie es nannten – "über den Laden".

Trotz einiger kleiner Fehler ist Robert Lacey ein schönes Begleitbuch zur ersten Staffel der Fernsehserie gelungen. Allein die Bildfülle ist umwerfend. Der Band ist ein gutes Beispiel populärer Geschichtsschreibung, ein Beitrag zum Verständnis von Geschichte.

Eckhard Stuff, kulturradio

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