Anthony McCarten: Die dunkelste Stunde © Ullstein
Ullstein
Bild: Ullstein Download (mp3, 4 MB)

Erzählendes Sachbuch - Anthony McCarten: "Die dunkelste Stunde. Churchill – Als England am Abgrund stand"

Bewertung:

Anthony McCarten hat sowohl das Drehbuch zum Film "Die dunkelste Stunde" als  auch dieses Begleitbuch geschrieben.                

Anders als im Film, verzichtet McCarten auf fiktive Elemente in dem Buch. Unter der Überschrift "Der Taugenichts" gibt er zunächst einen biografischen Abriss zur Person Winston Churchill bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs:

"Titan am Rednerpult. Säufer. Patriot. Imperialist. Visionär. Panzerentwerfer. Tölpel. Haudegen. Aristokrat. Häftling. Kriegsheld. Kriegsverbrecher. Eroberer. Witzfigur. Maurer. Rennpferdbesitzer. Soldat. Maler. Politiker. Journalist. Literatur-Nobelpreisträger. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen, doch wird ihm keine dieser Etiketten gerecht. Zusammengenommen, stellen sie eine gewaltige Herausforderung dar."

Mann der Stunde

McCarten verdeutlicht, dass Churchill in den 30er Jahren politisch erledigt war, ein Relikt. Dann kam der Krieg und er war der Mann der Stunde. Seit 1930 hatte er vor Hitler gewarnt und die englische Befriedungspolitik und den Pazifismus bekämpft. Jetzt wurde klar, dass er Recht hatte, und England brauchte ihn.

Anschließend handelt McCarten die entscheidenden Wochen vom 9. Mai bis zum 4. Juni 1940 ab: Chamberlain musste gehen, er war mit seiner Appeasementpolitik gegenüber Hitler gescheitert. Hitler hatte seinen Westfeldzug begonnen und war schnell vorgestoßen, so dass nach wenigen Tagen der größte Teil der britischen Truppen in Dünkirchen eingekesselt war. Frankreich war mittlerweile fast geschlagen. Churchill als neuer Premierminister war dafür, weiter zu kämpfen "bis zum Sieg", andere im Kabinett um den Außenminister Halifax waren für Verhandlungen mit Hitler. Um dieses Spannungsfeld geht es McCarten.

Menschlicher Held

Und in einem Punkt wagt Anthony McCarten dann eine Interpretation, die von der Haltung der meisten Historiker abweicht: In einer kurzen Zeitspanne von wenigen Tagen sieht er auch Churchill nicht völlig abgeneigt gegenüber denjenigen, die verhandeln wollten.

Wahr ist, dass Churchill in der desolaten Situation, während 370.000 britische Soldaten in Dünkirchen eingeschlossen waren, für seine Position des "Kämpfens bis zum Sieg" die Mehrheit im Kriegskabinett zu verlieren schien. Er musste sich also mit der Position der Verhandlungswilligen auseinandersetzen. Und er hatte wohl auch Selbstzweifel. Gerade diese Selbstzweifel – die er aber rasch überwand – hält McCarten ihm zu Gute, weil sie den Helden menschlicher machen.

Viele Historiker glauben eher an eine List Churchills, um seine Gegner zu täuschen. Täuschung aber entsprach nicht seinem Charakter, hält McCarten zu Recht dagegen!

Meister der Rhetorik

Besonderes Gewicht legt McCarten auf Churchills Redekunst. In den vier Wochen der Handlung des Buches hielt er drei bedeutende Reden, setzte Sprache als Waffe und als Mittel der Überzeugung ein. So hat er schließlich das Parlament und das englische Volk "überredet", zu kämpfen bis zum Sieg. Ohne seine Redekunst hätten seine innerparteilichen Gegner und wohl auch Hitler gewonnen.

Eckhard Stuff, kulturradio

Weitere Rezensionen

Bernd W. Seiler: Fontanes Sommerfrischen; Montage: rbb
Quintus Verlag

Sachbuch - Bernd W. Seiler: "Fontanes Sommerfrischen"

Theodor Fontane war einer, der es im Sommer in Berlin einfach nicht aushielt. Das hatte zu seiner Zeit nicht unbedingt nur etwas mit der Hitze zu tun, sondern auch mit den hygienischen Zuständen.

Bewertung:
Håkan Strand: Silent Moments; Montage: rbb
Kehrer Verlag

Bildband - Håkan Strand: "Silent Moments"

Zur Einstimmung auf die mit Regen und Dunkelheit, Nebel, Schnee und Eis einhergehenden Monate und um zu zeigen, dass auch diese Jahreszeiten reizvoll sein können, eignet sich ein Fotoband des schwedischen Fotokünstlers Håkan Strand. Er versammelt Bilder, die ausnahmslos in Herbst und Winter gemacht wurden.

Bewertung: