Gina Kaus: Der Teufel nebenan; Montage: rbb
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Zum Wiederlesen empfohlen - Gina Kaus: "Der Teufel nebenan"

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Die Wienerin Gina Kaus, geborene Wiener (1893 – 1985), ist eine der vielen Autorinnen und Autoren, deren literarische Arbeit durch Flucht und Emigration abgebrochen ist.

In den Zwanziger- und Dreißigerjahren publizierte sie Theaterstücke, Erzählungen und Romane mit einigem Erfolg, war mit Karl Kraus eng befreundet und in den Wiener Literatenzirkeln zu Hause. Und sie interessierte sich lebhaft für die psychologischen Theorien des Freud-Dissidenten Alfred Adler.

In ihrem 1940 in Amsterdam erschienen Roman "Der Teufel nebenan" porträtierte sie Adler als "Doktor Heinsheim", der versucht, eine sich anbahnende Beziehungskatastrophe zu verhindern.

Unschwer ist in Lucien, dem sprunghaften, besessenen und leidenschaftlichen Künstler und Autodidakten, van Gogh zu erkennen: Stets kämpft er darum, das Unmögliche zu schaffen, malerischen Ausdruck für das kaum Sichtbare zu finden.

Georges dagegen ist eine sehr modern wirkende Figur: ein seltsam Unbehauster, dem die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer geldgierigen Stumpfheit und ihrem Anpassungszwang zutiefst zuwider ist, und gleichzeitig sich selbst so sehr entfremdet ist, dass er keinen künstlerischen Ausdruck finden kann. Das wenige, was er schreibt, ist viel zu explizit und schlicht – findet jedenfalls sein Freund Lucien.

Die beiden Hauptfiguren, der unsichere und unbemittelte Doktor der Philosophie Albert Holzknecht und die manipulative und eifersüchtige Erbin Melanie Simrock, sind Neurotiker wie aus dem Lehrbuch. Melanie ist das, was man heute als Drama Queen bezeichnet, während Albert um jeden Preis Szenen vermeidet. Er liebt seine Frau nicht, und tut doch alles, was sie will.

Gina Kaus beschreibt außerordentlich gekonnt die Hölle, die die beiden einander bereiten, während nach außen alles nach geschäftlichem und sozialem Erfolg und inniger Liebe aussieht. Gleichzeitig schildert sie in den Nebenfiguren sprechende Vertreter bestimmter Milieus: bürgerliche Boheme, Management, Kleinbürger, Außenseiter und Aufsteiger.

In den Fünfzigerjahren ist das Buch, das nach dem Krieg zum Bestseller wurde, auch verfilmt worden. Und man stellt sich beim Lesen automatisch vor, welche Gestalt ihre Figuren in einem Film des 21. Jahrhunderts annehmen würden.

Leider war dieser Roman Gina Kaus' letzter. Nachdem sie 1938 erst nach Paris, danach dann in die USA emigriert war, arbeitete sie fortan nur noch als Drehbuchautorin für Hollywood.

Katharina Döbler, kulturradio

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