"Byung-Chul Han: Lob der Erde"; Montage: rbb
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Geschenkbuch Wissen & Werte - Byung-Chul Han: "Lob der Erde. Eine Reise in den Garten"

Bewertung:

Ein Buch über die Arbeit im Garten, über Jahreszeiten und die Romantik, über ein verändertes Zeitgefühl, Kants "Kritik der reinen Vernunft" und Schuberts "Winterreise".

Hätte dieses Buch nicht Byung-Chul Han geschrieben, und wäre der nicht als kleiner Star der Gegenwartsphilosophie bekannt, wäre dieses Buch vermutlich nicht veröffentlicht worden – jedenfalls nicht in seiner derzeitigen Form.

Bücher über Bäume, Tiere, Gärten und überhaupt, über die Natur haben derzeit Konjunktur; offenkundig ist die Sehnsucht nach kreatürlicher, nicht-digitaler und nicht-marktorientierter Lebenswirklichkeit groß unter den Lesenden.

Um das zu bemerken, braucht es keine Philosophie. Man braucht sich nur umzusehen: Die früher in intellektuellen Kreisen so verachtete Kleingärtnerei ist längst ein beliebtes Gesprächsthema in großstädtischen Tafelrunden.

Garten am Wannsee

Nun hat also auch der umtriebige Philosoph Han seinen Garten. Am Wannsee, wie wir erfahren. Es ist ein Garten, der auch im Winter blüht: Han, der die Sonne nicht besonders mag – und eigentlich auch die Menschen und Tiere nicht so besonders, haben es die Zaubernüsse und Winterforsythien, die Krokusse, Herbstzeitlosen, Christrosen und Winterkirschen angetan. Und spät blühende Rosen. In seinem Garten gibt es auch Gemüse, aber das gefällt ihm nicht so, da es zum Wuchern neigt.

Kernsatz

Im Übrigen ist das Lob der Erde des Gärtners Han ganz und gar wörtlich zu nehmen: "Von der Erde geht der Imperativ aus, sie zu schonen, das heißt: sie schön zu behandeln. (...) Es ist ein dringende Aufgabe, eine Verpflichtung der Menschheit, die Erde zu schonen, denn sie ist schön, ja herrlich."

Das ist der Kernsatz dieses Buches, der auch auf den Umschlag gedruckt ist, und über diese ganz und gar unzweifelhafte Aussage hinaus ist in diesem Buch auch nichts Substantielles finden. Der Satz wird wiederholt, teilweise wörtlich und aber auch in kleinen Variationen, und flankiert mit Hans bekannten und absolut mehrheitsfähigen Absagen an unsere entfremdete, digitalisierte, durchkapitalisierte Welt.

Gartentagebuch

Der Rest sind Zitate von Heidegger, Hölderlin, Rilke, d'Annunzio, Nietzsche, Benn u. v. a. m. und Notizen, die die philosophischen Einsichten des neuen Gartenfreundes festhalten. Die Blüten der Christrose etwa "... bringen Sein ins winterliche Nichts. Insofern sind sie metaphysisch".

Nicht alles, was in diesem Büchlein steht, ist von solcher Schlichtheit, aber vieles: Was Han zur Blauen Blume der Romantik einfällt, den Dornen der Rosen, und der Zähigkeit von welkem Eichenlaub, ist ein Fall fürs Gartentagebuch.

Und wie es in Tagebüchern intelligenter Menschen der Fall ist, gibt es ein paar schöne Beobachtungen und kluge Sätze darin. Aber bewahre, dass alle sie deshalb gleich veröffentlichen!

Katharina Döbler, kulturradio

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