Carlo Maria Cipolla: Die Prinzipien der menschlichen Dummheit; Montage: rbb
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Zum Wiederlesen empfohlen - Carlo Maria Cipolla: "Die Prinzipien der menschlichen Dummheit"

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Wer kennt sie nicht, die Dummheiten, die das Leben so sehr erschweren.

Da gibt es ein kleines oder auch großes Problem, das sich mit ein bisschen Einsicht lösen ließe, aber die Dummheit eines Beamten, der Nachbarin, der Kollegen, der Regierung oder gleich des Präsidenten steht dem unverrückbar im Wege. Und am Ende haben alle den Schaden.

Diese alltägliche Widerwärtigkeit, hochgerechnet auf ganze Gesellschaften und Staaten, machte der Wirtschaftshistoriker Carlo Maria Cipolla zum Thema einer brillanten kleinen Abhandlung, die mit der Zeit eine Art subversiver Weltbestseller wurde.

Erstmals erschienen ist der Text 1988 – und wandert seither um die Welt, mit dem Ruf, "mehr denn je das richtige Buch zur rechten Zeit" (so der deutsche Verlag heute) zu sein.

Die Prinzipien der Dummheit

Die rechte Zeit allerdings ist, nach Cipollas Überzeugung, immer. Denn Dummheit ist eine Konstante, sie ist in allen Schichten, Rassen, Kontinenten und Religionen gleichermaßen vertreten und zwar in einem viel höheren Maß, als man glaubt. Das sind die ersten beiden Prinzipien der Dummheit.

Das dritte Prinzip, das goldene, besagt, dass dumme Menschen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst mit ihrem unvernünftigen Handeln Schaden zufügen. Deshalb sind sie, so das vierte Prinzip, gefährlicher als die Nicht-Dummen glauben und erzeugen zwangsläufig Schaden, wo immer sie auftauchen. Sie sind also, Prinzip Fünf, noch gefährlicher als Leute, die anderen schaden, um selbst einen Gewinn davon zu haben.

Cipolla entwirft dazu Diagramme, welche die Menschheit in vier durch Nutzen-Schaden-Achsen getrennte Kategorien einteilen: Intelligente, Unbedarfte, Banditen und Dumme.

Der Zustand der Welt

Mit seiner elegant geschriebenen und höchst erheiternden Satire nimmt er nicht nur seine eigenen wissenschaftlichen Methoden makroökonomischer und historischer Analysen auf die Schippe, sondern meditiert auch über den Zustand der Welt, der sich aller Bemühungen zum Trotz einfach nicht bessern will. Nun wissen wir, warum: es liegt an der konstanten Anzahl der Dummen überall.

Übrigens: Am Ende des Textes hängen noch Leerdiagramme an, mit deren Hilfe der geneigte Leser oder die Leserin seine bzw. ihre Bekannten und deren Taten selbst evaluieren kann.

Katharina Döbler, kulturradio

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