Clemens Kühn: Abenteuer Musik © Bärenreiter
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Musikbuch - Clemens Kühn: "Abenteuer Musik"

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So leicht es ist, Musik zu hören, so schwer ist es, sich über sie Gedanken zu machen oder sie gar zu "verstehen". Der renommierte Musiktheoretiker Clemens Kühn will mit seinem Buch mehr Verständnis für Musik schaffen, aber auch Interesse wecken für das, was man nicht verstehen kann.

Das "Abenteuer Musik" ist zunächst ein Abenteuer für den Autor. Clemens Kühn gilt seit Jahrzehnten als Instanz auf dem Gebiet der Musiktheorie, seine Bücher über  Harmonie- und Formenlehre sind Standardwerke. Als emeritierter Professor wagt er nun etwas radikal Neues: er wendet sich an Laien. Das beginnt schon mit einem persönlichen Brief an die Leser und setzt sich darin fort, dass er immer wieder die Leser direkt anspricht und ihnen auch Hörtipps gibt.

20 Stationen

Clemens Kühn führt die "Entdeckungsreise" über 20 thematische Stationen, also kurze Kapitel, die man auch einzeln besuchen kann. Sie sind ausdrücklich nicht historisch oder systematisch sortiert, sondern bieten vielfältige Einstiege. Sie heißen zum Beispiel "Kunst und Leben", "Manipulation durch Musik", "Die Macht der Interpreten" oder "Komponieren ist Arbeit". Und da geht Clemens Kühn dann jeweils ins Detail. Im Kapitel "Komponieren ist Arbeit" fordert er die Leser auf, den Anfang von Beethovens erster Sinfonie nachzuvollziehen und dem Komponisten Ton für Ton über die Schulter zu schauen. Damit kommt er den inneren Gesetzen der Musik sehr nahe und schafft ein tieferes Verständnis.

Viele Hörbeispiele

Beinahe jede Doppelseite enthält Bilder, Grafiken oder Notenbeispiele. So werden historische Zusammenhänge oder auch kompositorische Techniken verdeutlicht. Wer Noten lesen kann, ist dabei im Vorteil. Wer nicht, kann es in Kapitel zehn auch in knapper Form lernen. Clemens Kühn arbeitet auch sehr stark mit Hörbeispielen, mit einem kleinen Lautsprecher markiert sind. Diese Beispiele soll der Leser dann auf YouTube suchen und finden. Besser und einfacher wäre hier eine komplette Playlist auf einem Internetportal wie YouTube oder Spotify.

Sympathischer Reiseleiter

Dem Leser bleiben nach 20 Stationen eine Vielzahl von Eindrücken und Einblicken. Es ist deutlich, dass Clemens Kühn vor allem die inneren Vorgänge der Musik von Bach bis Beethoven auf den Punkt bringen kann. Er gibt auch immer wieder Anstöße zum eigenen Überlegen und Verbalisieren, darin zeigt sich der geübte Pädagoge. Die vielen Einzelinformationen über Komponisten und Stile sind äußerst kurz gehalten, so dass sie sich kaum einprägen. Letztlich ähnelt der Autor einem sehr sympathischen Reiseleiter, der die Touristen mit vielen Informationen bis vor die Tür des Petersdoms führt und dann sagt, den Raum drinnen müsst Ihr selbst erfahren.

Dirk Hühner, kulturradio

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