Henry David Thoreau: Leben ohne Grundsätze; Montage: rbb
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Zum Wiederlesen empfohlen - Henry David Thoreau: "Leben ohne Grundsätze"

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"Ich weiß nicht, ob es nicht schon zu viel ist, pro Woche eine Zeitung zu lesen."

So überlegte Henry David Thoreau (1817-1862) in einem Essay, den er zwischen 1854 und 1861, vor seinem Tod, immer wieder öffentlich vortrug und überarbeitete. Das Zeitunglesen war für ihn bereits eine Art Selbstentfremdung, Ablenkung vom Wesentlichen: der Natur und dem Einklang mit sich selbst.

In "Life Without Principle" fasste er zusammen, was er in seinem berühmtesten Text "Walden oder Leben in den Wäldern" ausführlich dargestellt hatte, und appellierte an seine Zeitgenossen, ihren eigenen Vorstellungen und Talenten gemäß zu leben und das Leben nicht an falsche Ziele und Beschäftigungen zu vergeuden. Solche wie das Geldverdienen.

In der amerikanischen Gesellschaft war damals das Leistungsethos eng mit finanziellem Erfolg verknüpft. Dagegen wehrte sich Thoreau grundsätzlich und heftig – ebenso wie er sich als Vordenker des zivilen Ungehorsams gegen staatliche Übergriffe, gegen Sklaverei und religiöse Bevormundung verwahrte.

"Es gibt nichts, nicht einmal das Verbrechen, was (...) dem Leben selbst so entgegengesetzt ist, wie die das unablässige Geschäft."

Materialismus war ihm Verrat am Menschsein, und er erregte sich darüber, dass jemand, der – wie er – wenig Geld verdiente und in den Wäldern herumwanderte, weil er sie liebte, für einen Spinner und Verlierer gehalten wurde, während einer, der die Wälder abholzen ließ und damit reich wurde, hohes gesellschaftliches Ansehen genoss.

Von heutiger Warte aus kann man nur feststellen, dass Thoreau, der auf Komfort verzichtete und nur soviel arbeitete wie nötig um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, mit seinen Thesen Recht hatte. Lange bevor irgendjemand von Klimawandel, Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance redete.

Katharina Döbler, kulturradio

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