Peter Gülke: Felix Mendelssohn Bartholdy © Bärenreiter/Metzler
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Musikbuch - Peter Gülke: "Felix Mendelssohn Bartholdy"

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Mendelssohn wurde ebenso viel bewundert wie geschmäht. Der Dirigent Peter Gülke unternimmt eine Ehrenrettung, die auch heute noch nötig scheint. Er stellt Mendelssohn als vielschichtige Person dar, untersucht die Werke auf Brüche und rückt die historische Perspektive gerade.

Mit vielen Zitaten belegt Peter Gülke, dass Mendelssohn von Anfang an Vorwürfen ausgesetzt war, die Musikalisches, Persönliches und Antisemitisches miteinander untrennbar vermengen. Bis heute wird seine "Glätte" kritisiert, ein Autor sieht in ihm sogar den "Erfinder des religiösen Kitsches". Gülkes Gegenmittel ist die genaue Betrachtung seiner Werke – hier vor allem der Streichquartette, Lieder ohne Worte und Oratorien – im Hinblick auf verborgene Konflikte und Brüche. So lässt er die Individualität Mendelssohns hervortreten. Als prägend erweist sich seine Herkunft aus einem jüdischen Bankiershaushalt und die Beziehung zu seiner hochbegabten Schwester Fanny.

Aus der Musizierpraxis heraus argumentiert Peter Gülke, dass die vorgebliche "Glätte" auch als Ausdruck der Zeit zu verstehen ist: Einerseits findet sich in den schnellen Sätzen bei Mendelssohn auch eine Widerspiegelung der damaligen Beschleunigung des Lebens. Andererseits nehmen die schnellen Notenwerte auch die Musiker in die Pflicht, besonders exakt zu spielen. Derartige Neubewertungen machen Gülkes Mendelssohn-Buch zu einer wertvollen Lektüre. Auch wenn er keine Gesamtdarstellung wagt und in essayistischem Stil mehr Fragen aufwirft als beantwortet, gibt er viele Impulse, oberflächliche Urteile zu revidieren.

Dirk Hühner, kulturradio

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